Empfang in Perondo. Reitesel der Frau v. Prince.
(Zu [S. 35].)
Von links nach rechts:
Oberleutn. Glauning. Hauptm. v. Kleist. Stabsarzt Dr. Stierling. Hauptm. v. Prince. Leutn. Graf Fugger. Leutn. Stadlbaur. — Frau Hauptm. v. Prince.
Unser Eßzimmer ist jetzt großartig eingerichtet: eine ganze Kommode und ein Waschtisch haben sich eingefunden; man muß sich an diesen Luxus erst langsam gewöhnen. Nur des Staubes kann ich nicht Herr werden: Erdboden und Wände sorgen für immer neuen Vorrat.
Heute gibt’s Radieschen zu Mittag, wirkliche echte Radieschen!! Sie sollen aber auch für meinen mit Arbeit überhäuften Mann eine besondere Überraschung werden; ein paar Hände mehr könnte er gut gebrauchen und, wenn’s ginge, auch noch ein paar Köpfe. Das kommt und geht in einem fort. Berichte schreiben, Schauri abhalten, dazwischen kommen Meldungen über unseren Quälgeist Quawa, Träger mit Lasten wollen abgefertigt sein, an die auswärts befindlichen Leutnants müssen längere Dienstschreiben mit Befehlen und Verhaltungsmaßregeln abgesandt, Klagen und Beschwerden angehört, untersucht und entschieden werden, dazu noch die astronomischen Aufnahmen, die Kompagnie mit ihren täglichen Anforderungen, kurz gesagt: der Tag hat oft vierundzwanzig Stunden zu wenig, um die ganze Maschine im Gang halten zu können.
Perondo, 22. Juli 1896.
Heute fühlte ich mich so wohl, daß ich Krankenbesuche machen konnte: erst bei Kapongo, dann beim Feldwebel Spiegel; es geht ihm schon besser. Aber wie wohnen unsere Offiziere und Unteroffiziere! Von irgendwelcher Bequemlichkeit keine Spur. Es ist wirklich im höchsten Grade anzuerkennen, mit welcher Genügsamkeit sie sich hier einzurichten wissen. Wir haben doch wenigstens mehr Wohnraum und bessere Betten, und das ist hier eine Hauptsache. Nun, nach Weihnachten werden wir es alle besser haben, dann ist die neue Station fertig, auf die sich alle unsere Wünsche und Hoffnungen richten.
Ich kam bei einer Menge von Frauen vorüber, die Reis ausstampften und lustig sangen. Sie begrüßten mich alle mit lautem Geschrei, dem untrüglichen Zeichen von großer Freude: je lauter der Neger, desto vergnügter. Der Reis und andere Körnerfrüchte werden hier auch vielfach ausgedroschen; die Dreschflegel sind den unseren ähnlich, selbst der anheimelnde Rhythmus unserer deutschen Scheunentenne wird innegehalten. Heute erhielt mein Geflügelhof einen Zuwachs von elf Hühnern. Die ganze Haus- und Hofwirtschaft gewinnt täglich für mich mehr an Wert, besonders weil ich mir doch fast alles nach und nach selbst schaffen und zusammenbauen muß, ohne die vielen Hilfsmittel und Bequemlichkeiten, die einem zu Hause so überreich zu Gebote stehen. Noch nie ist es mir so zum Bewußtsein gekommen, was uns Kinder einst so in den alten Robinson-Geschichten fesselte, wie hier in unserem Nomaden- und Ansiedlerleben, wo alle die Kleinigkeiten, die man in der Heimat kaum der Beachtung wert hielt, in ganz anderem Licht erscheinen. Freilich, Steck- und Nähnadeln habe ich mir aus Fischgräten noch nicht anzufertigen brauchen, aber oft genug muß man hier zu Aushilfsmitteln greifen, die auch eine Frau Robinson nicht verschmäht haben würde.
23. Juli 1896.