Über unsern Garten war er auch sehr erfreut, denn alles gedeiht prachtvoll. Jede Rübenart, jede Kohlart, sogar Rosenkohl, Tomaten, Erbsen, Bohnen, Zwiebeln, Schnittlauch, Petersilie, Majoran, Sellerie, Dill, Pfeffermünzkraut, Salat, Rettich, Radieschen stehen schön. Mohn und Artischoken scheinen auch zu gedeihen, nur mit Gurken und Melonen hapert es, und wahrscheinlich nur, weil wir sie nicht zu ziehen verstehen. Kartoffeln stehen gleichfalls sehr schön. Die Brüder waren über unsern Garten schon so entzückt, was würden sie erst zu dem unten am Ruaha gesagt haben, wo alles noch besser gedeiht; dort stehen Apfelsinenbäumchen, Feigen, Mango, Zitronen, zwei kleine Weinreben. Hoffentlich gedeihen sie weiter so. Bananen, Ananas und auch eine Kokosnuß sind aufgegangen. Der Weizen steht niedrig, ist aber gleichmäßig gereift, was vielfach im Innern nicht der Fall sein soll, und Stroh brauchen wir nicht; es ist hier ein herrliches Ansiedelungsgebiet, und der Bauer würde sein schönes Auskommen haben, denn zu alledem kommen noch das schöne Vieh und Weideland. Auch ist die Gegend hier gesund, also alles „tajari“, nur die eine Frage ist nicht gelöst: Wie kommt der Bauer hierher?


Heute kamen ein Feldwebel und ein Bootsunteroffizier für Langenburg an, die einen Ruhetag hier machen und dann weiter marschieren, dann nehmen sie natürlich die 100 Lasten mit. Reichlich zwei Monate haben die Lasten hier liegen müssen, die Sachen werden also fünf Monate unterwegs sein. Wie schmerzlich werden sie von den Europäern erwartet werden? Meine Nähmaschine hatte ich gestern mit Mühe und Not zum Nähen gebracht, gestern ging sie sehr gut, doch plötzlich versagte sie. Da der Bootsunteroffizier in seinem Zivilverhältnis Uhrmacher war, glaubte ich, er würde sie mir wieder zurecht machen können. Der brave Mann hat sich auch so lange geplagt, bis er sie wieder in Gang hatte. Wegen meiner Maschine habe ich schon einmal einen fremden Unteroffizier zu Rate ziehen müssen. Wir erhielten auch die Bestätigung, daß Toms Breitenbestimmungen richtig sind; kein falscher Stern ist beobachtet. Hoffentlich gelingt es uns immer so.

8. April 1897.

Glückstrahlend kam Tom heute zurück: auf dem Rückmarsch hat er plötzlich dicht am Wege drei starke Elefantenbullen gesehen. Obwohl er seine Elefantenbüchse nicht mit hatte, pirschte er sich doch an und hatte das Glück, sie alle drei zur Strecke zu bringen. Eine Kugel, Modell 88, hatte sich an der Wurzel des großen Stoßzahnes plattgedrückt. Der größte Elefant ist 9 Meter lang, bei 3½ Meter Höhe; in seinem Wanst badeten acht Neger zu gleicher Zeit in dem Blute des Tieres — nach Negerglaube ein besondere Kräfte verleihendes Mittel. Den schwarzen Siegfrieden fiel kein Lindenblatt aufs Kreuz, Rücken und Rippen des kolossalen Tieres bildeten eine gut gedeckte Badezelle. Hinter dem Riesenkopf desselben konnte Tom sich decken, als er den zweiten Elefanten schoß. Der dritte rannte dicht an Tom vorbei; es war eine fatale Situation, mein Mann war allein, das dichte Farnkrautgestrüpp verhinderte ein Ausweichen — und doch kommt es darauf an, dem angeschossenen Riesen so rasch als möglich aus dem Gesicht zu kommen. Das Herz haben die Neger als große Delikatesse verspeist. Von einem Stück Rüssel machte ich Suppe; sie schmeckte etwa wie recht kräftige, mit Gelatine verdickte Rindfleischsuppe mit etwas leimigem Beigeschmack; das Fleisch war nach 24stündigem Kochen zäh wie Leder.

9. April 1897.

Heute wurde die Jagdbeute eingebracht, mit Jubel und Geschrei natürlich. Vorneweg die Sikkileute mit Tanz und Gesang. Hundert Mann hatten an dem Transport der drei Kolosse zu tun. Leider hat das größte Tier nur einen Zahn; dieser wog allerdings 106 Pfund. Den Kopf des kleineren mit den beiden Stoßzähnen (45Pfünder) habe ich photographiert.

12. April 1897.

Großes Schlachtfest! Unser Hofschlächter, Unteroffizier Hammermeister, besorgte die Sache nach allen Regeln der Kunst. Unsere Schwarzen staunten nicht wenig, daß unter seinen Händen ein schwarzes Schwein so weiß werden konnte! Aber von dem Fleische zu essen, weigerten sie sich voll Abscheu. Nur unser Juma, der in Deutschland Schweinefleisch essen lernte, aß auch hier davon, dafür wurde er aber auch von den anderen Boys verächtlich „Sklave“ geschimpft. Das Wellfleisch schmeckte prächtig. Da Pater Alfons die neu angekommenen Brüder bei uns vorzustellen kam, konnten sie an unserem Schlachtfest teilnehmen. Bis auf das bißchen Unterschied in der geographischen Länge und Breite ging’s bei uns ganz so zu wie beim Schweineschlachten in Weißenrode — mir war ganz heimatlich zu Mute, und wenn sich so etwas wie Heimweh zeigen wollte, dann wurde es flugs mit ins Wurstfleisch verhackt. Es war aber auch ein Staatstier, eigentlich viel zu schade, um seine Laufbahn in den nunmehr historischen Pökelfässern der Familie Prince zu beschließen. Unser Sachverständiger Hammermeister taxierte es nach deutschen Viehverhältnissen auf 180 Mark „unter Brüdern“.