Weizen geerntet, auf wasserdichten Decken statt Tenne ausgedroschen; der Ertrag ergab das 24fache der Aussaat, also das 24. Korn. Auch der Weizen ist ebensowenig wie der Garten weder gegossen noch gedüngt. Heute kam auch die Karawane für uns an. Wir hatten wieder allein fünf Träger für Postsachen — und der Trägerlohn ist jetzt auf 21 Rupien (Rp. = 1.40 Mk.) erhöht! Für ein kleines leichtes Weinfäßchen waren zwei Träger nötig, desgleichen zu einer kleinen Frachtkiste aus Liegnitz; der fünfte Träger brachte ein Postpaket. Wie groß, unendlich groß würde die Freude über alles sein, wenn es nicht den abscheulichen Beigeschmack der Trägerkosten hätte.
Nach Perondo bekamen wir die Zehnpfundpakete umsonst geschickt; dies ist jetzt nicht mehr der Fall, da aber nur drei solcher Pakete auf eine Last gehen, müssen wir diese Packungsweise vermeiden. Es empfiehlt sich vielmehr, alle Sendungen in Deutschland ansammeln zu lassen, bis sie zusammen, einschließlich Verpackung, etwa 60 Pfund wiegen — aber nicht mehr, sonst geht es uns wie mit dem Weinfaß, das nur 70 Pfund wog und zwei Träger brauchte. Bei allem muß man eben sein Lehrgeld zahlen, aber wir bleiben ja lange genug hier, um noch die Früchte davon zu ernten.
15. Mai 1897.
Leutnant Kuhlmann war ganz erstaunt über unsere große Stadt. An der Küste hätte man keine Ahnung davon. Man könnte sich ein so schnelles Wachsen einer Stadt nicht vorstellen. — Nun, ich freue mich, wenn der Gouverneur sich selbst von Toms Erfolgen überzeugen kann. Auch das kann man als „echt afrikanisch“ bezeichnen, in Deutschland wenigstens soll es nicht gerade üblich sein, daß die Offiziere sich nach den Besichtigungen durch ihre Vorgesetzten sehnen. — Übrigens hieß es plötzlich, der Gouverneur sei nur noch einen Tagesmarsch von hier; ich machte gleich Makronen, Schokoladenplätzchen, Räderkuchen, Waffeln, alles gelang schön. Da ich gerade Honig bekam, setzte ich auch noch Teig zu Honigkuchen an. — Mein spezielles Departement, das des Innern und der Haus- und Landwirtschaft, ist für den hohen Besuch ebenfalls in bester Verfassung.
Das Stationshaus in Iringa.
(Zu [S. 114].)
Das Arbeitszimmer.
(Zu [S. 115].)
Von der Taktik der Wahehe, die Wege ungangbar zu machen, konnte auch Leutnant Kuhlmann erzählen. Sie stecken giftige Bambusspitzen in den Weg, verlegen denselben mit riesigen Hindernissen, die großen Aufenthalt verursachen, oder legen kleinere Hemmnisse an, so daß die Leute fallen oder mindestens stolpern; ferner machen sie in die Urwälder und Pori große Sackstraßen, so daß man falsch geht; auch Graf Fugger weiß davon ein Liedchen zu singen.