– Weiter, sagte sie hart – und früher?
– Er sagte dein Schicksal voraus aus den Sternen, erzählte Gustav, der ins Schwätzen kam, – als Mutter dich erwartete. Deshalb ist er auch so viel zu euch gekommen.
Ruth empfand in sich eine graue, steinschwere Halle, die sich selbst erdrücken wollte und nur getragen wurde durch ihre entsetzliche, hohe Leere. Wo verschnörkelte Stühle an den Wänden standen, ganz vereinzelt und wo etwas von ihr war, ein Hauch, ehe sie selbst noch war, und wo er war, voll und ganz, nur daß man ihn nicht sehen konnte. Diese Halle, die sie aus den frühen, angstvollen Dämmerstunden kannte.
– Wann ging er weg, fragte sie kurz. – Bald darauf. Er nahm ein Teil von der Erfindung deines Vaters und verwendete sie für seine Zwecke. Er hat viel damit erreicht. Aber natürlich wollte ihn dein Vater nicht mehr sehen. Er ist übrigens von selbst nicht gekommen und –
– Schweig, unterbrach sie ihn. Sie fühlte sich umgeben von lauter schwarzen, weichen Bändern und Spagatschnüren, die alle ineinander übergingen. Fesseln, Fesseln.
Und aus ungeheurer Tiefe heraus quillt dunkel empor eine formlose Masse. Die sie nicht modeln darf.
Sie ist machtlos.
– Ruth, bat Gustav erschrocken, wenn Mutter davon erfährt. Nein, das tust du mir nicht an. Nicht wahr, gewiß nicht. Überdies, das was du von verliebt sagst, ist natürlich dummes Zeug. Mutter war sehr gekränkt. Er war doch ein Freund von ihr. Auch von deinem Vater. Und er war jünger als sie. Und überhaupt, deine Mutter war nie verliebt, überhaupt nicht. Wie du nur so etwas sagen kannst. Du bist wirklich ein Fratz –
– Und du ein Esel. – Glühende Zornestränen standen in ihren Augen.
Sie trat an das Fenster. Unten wurden die ersten Gaslaternen angezündet. Sie stöhnte: was kann ich Mutter geben, was kann ich ihr schenken, alles schenken, meiner lieben, armen Mutter, Mutter, Mutter –