Durch die Kaffeehaustür geht eine üppige Frauensperson. Selbstgeschlossen in ihrer Reife. Rotblondes Haar und Lippen, die Geld fressen wollen. Der Hut wippt zu hoch, über einer häßlichen Stirne. Ihr nach.
Ihr nach durch schlüpfrige Gassen und winkelige Höfe. Wie stolz sie geht, sie ist eine Königin der Erde. Karminrot geschminkt. Alle Königinnen sind karminrot geschminkt.
Nicht die volle Hand berühren. Aber hinter ihr her gehen. Langsam, kostend.
Sie geht auf ein Haus zu mit verschlossenen Laden. Im Parterre sind weiße Spitzenvorhänge und über dem Tor glüht brünstig die rote Laterne –
– Wohin will das Fräulein – ein junger Kellner mit schwarzen Zähnen im grünbleichen Gesicht tritt ihr entgegen. Die Zähne des Leutnants. In der kleinen Halle stehen rote Korbsessel.
– Entschuldigen Sie, sagte Ruth aufmerksam und langsam, ich glaube, ich bin in ein falsches Haus geraten. Lief dort nicht jemand über die Treppen mit zurückgelegten Schultern? –
Ruth fuhr mit der Straßenbahn nachhause. Im roten, lärmenden Tabaksdunst. Ihre schmalen, braunen Hände spielten auf den Knien. Da waren noch die Narben von dem Hundebiß. Ihre Hände. Braun. Vielleicht auch etwas gelb von den Phiolen.
Auf seinem Schreibtisch war einmal ein scharf geschliffenes Messer gelegen. Das schneidet gut. Es riecht nach Blut und Chemikalien.
Soll sie sich das Messer holen? Die zarten Adern aufschneiden? Was kann das nützen. Von den feinsten Poren des Hirns aus durch den ganzen Körper strömen die müden Säfte eines verbrauchten Lebens. Gift.
Das findet kein Messer. Er hat gut experimentiert. Die Phiole brodelt.