Monika schrie auf: „Alfred, wie kannst Du!“
„Na, das ist doch ganz klar. Im Falle Heinrich stirbt...“
Monika stieß den Bruder heftig vor die Brust und rannte ins Nebenzimmer; sie klammerte sich mit beiden Händen an das Fußende des Gitterbettes, betrachtete mit irren Augen den Bewußtlosen und die Frau, die da am Bette kniete, die Mutter, die vielleicht sein Leben auf dem Gewissen hatte... aus Liebe... aus Liebe...
Und plötzlich strömte es Monika siedendheiß durch die Adern: ein wilder Trotz packte sie gegen diese dunkle und furchtbare Macht, die über dem blassen Jünglingshaupt schwebte, ein wütendes Sichauflehnen gegen das Schicksal, das blind und täppisch und erbarmungslos ein Uebermaß von Mutterliebe so entsetzlich ahnden zu wollen schien.
Ihre Hände krampften sich um des Bettes schmale Stäbe; mit weit aufgerissenen Augen starrte sie in den Tod... Es war ein sonderbares Klingen in ihren Ohren. Wohl hörte sie, daß die Mutter auf den Arzt einsprach, aber sie verstand nicht mehr, was sie sagte.
Der kleine Arzt wehrte die Baronin ab.
„Nein, noch eine Koffein-Einspritzung ist unmöglich.“
Dann setzte er zögernd hinzu:
„Vielleicht lassen Sie jetzt nochmal fragen, ob Ihr Hausarzt zu Hause ist?“