Georg hatte gezögert. Eigentlich gehörte es zu seinem „Programm“, seiner jungen Frau die Kunstschätze Italiens zu zeigen, aber Monika hatte so herzbewegend gebeten und das Haus war so hübsch, daß er einwilligte. Ueber die Mangelhaftigkeit der italienischen Dienstboten, die man für den Monat nahm, kam er zwar nicht so leicht hinweg, — auch sonst gab es manches zu tadeln, — aber alles in allem fühlte auch er: meines Lebens schönste Zeit!
Sein kühles Herz blühte auf in der heißen Liebe, mit der seine Frau ihn umgab. Seine nüchternen Sinne wurden angeregt durch ihre sprühende Art, ihre stürmische Begeisterung.
Jeder Tag war eine Kette von Wundern.
Jeder Morgen kam wie ein junger Sieger.
„Helios!“ sagte Monika, „der junge Sonnengott, der auf seinem goldenen Wagen einherkutschiert, die Zügel zwischen den Fäusten. Die mächtigen Pferde schäumen in ihr goldenes Gebiß und bäumen sich hochauf... Aber das tut ihm nichts... Er ist der Sonnengott, er ist der Sieger! Und da fährt er nun durch den Azur und verschwendet Sonne, vergeudet Sonne. Ach, in unserm armen Deutschland müssen wir einen halben Winter damit haushalten, was der hier an einem Maimorgen ausgibt! — — Jetzt verstehe ich erst den Sonnenkultus, verstehe alle die Völker, die Perser und Lydier und Phrygier und Griechen und Römer, die sich anbetend niederwerfen vor dem Leuchtenden da droben!“
Sie streckte die Arme hoch, in einer spontanen Gebärde, zur Sonne empor. — —
Dann ging man wohl mitunter an den Bergabhängen entlang, die hinunter nach Genua führten. Von den Kräutern, die an den Felsabhängen standen, ging ein herber und süßer Duft aus. Die Sonne drang mit Gewalt in sie hinein, in alle diese spröden amethystfarbenen und silbergrauen und weißen Kräuter mit den stacheligen Blättern; sie drang in sie hinein und sog ihnen den Duft aus den Kelchen. Und neben der harten Bergwelt, neben all diesem Gewucher von Minze, Ginster und Heidekraut lockte die weiche, sinnliche Pracht der Rosen.
Und Olivenbäume bedeckten in unzähligen Mengen alle Berge, alle Schluchten; ihre Milliarden schmaler Blätter schoben sich wie silbergraue Schleier vor die Aussicht, und durch diese Blätternetze hindurch sah man das Meer, das blaue Juwel. Auf den Segeln der träumerisch dahingleitenden Schiffe blitzte die Sonne wie in einem Brennspiegel. — —
Oder war es noch schöner, wenn die Sonne schon untergegangen?