Mit der Zeit...

Sie, die früher so oft der Zeit zugerufen: „Halt an!“, hätte ihr jetzt Sporen geben mögen wie einem schlechten Gaul.

Nur schnell vorwärts! Nur Zeit legen zwischen sich und das Glück!

Und Tage kamen und gingen... Wochen... und Monate... Und noch immer war sie nervös, schreckte zusammen, wenn es klingelte, und ging immer wieder auf den Balkon und starrte hinüber auf den Strom und auf die weißen Möwen.

Sie sprach mit niemandem über das, was sie innerlich bewegte. Den vielen Fragen von Edith von Gräbert setzte sie eine kühle Reserviertheit entgegen.

Uebrigens war Edith die einzige, die neugierig war.

Bertha fragte sie nie etwas. Nicht aus Diskretion, sondern weil sie zu sehr mit sich selbst beschäftigt war; sie steckte in ihrem Studium wie in einem Kleide, das ihr nach allen Richtungen hin zu groß war, und das sie sich wichtigtuerisch bemühte auszufüllen.

Mit dem Wesen, das sie früher gewesen, hatte sie kaum noch einen Zusammenhang. Das bewies sie deutlich, als ihre Mutter ihr eines Tages schrieb.

Sie brachte Monika den Brief hinüber mit der Aufforderung zu lesen.

Frau Reckling schrieb, daß sie heute mit einer großen Bitte an ihre Tochter herantrete, einer Bitte, die wohl geeignet sei, eine Umwälzung in Berthas Existenz hervorzurufen.