O gewiß, Bertha hatte ganz recht, so zu handeln! Aber ein unangenehmes Gefühl wurde Monika nicht los. Und Georg Wetterhelms Schwester fiel ihr ein, ihre Schwägerin Brigitte, deren Aufopferung sie verlacht, gleich bei jenem ersten Besuche auf Gerbitz, als sie Braut war. — —
Erinnerungen überfluteten sie wie große Wogen, die auf sie zukamen, über sie hinweggingen, ihren Widerstand ertränkten, daß sie in die Knie sank, daß sich in heißem Schluchzen ein Name von ihren Lippen rang:
„Georg.“
Nur einen Augenblick. Dann hatte sie die Herrschaft über sich zurückgewonnen.
Das war ja nur Nervosität gewesen, sicherlich!
Nur die Schuld der häßlichen, ärmlichen Umgebung. Oder die Schuld der allzu abstrakten Wissenschaft....
O, nur weg von hier, fort von Zürich. Es war nichts mit dem Studieren. Die ganze Umgebung hier, all die Leute mit den schlechten Manieren — das alles war nicht zu ertragen, wenn man fünf Jahre lang Georg Wetterhelms Frau gewesen war.
Sie wollte fort. Irgendwo in die große bunte Welt, all die Schönheit genießen, die da aufgeschlagen lag wie ein Märchenbuch mit schönen Bildern.
Und all diese Schönheit wollte sie beschreiben, sich ganz der Kunst widmen, die der leuchtende Stern ihrer Kindheit gewesen. Sie wollte denken und dichten, sie wollte glücklich sein! Ja sie war überzeugt, daß sie dann glücklich werden mußte!
Noch am selben Tage teilte sie Bertha ihren Entschluß mit.