Die Kammerjungfer, eine Stadtgeschichte, von Maria Nathusius, Verfasserin der Dorfgeschichten: Martha die Stiefmutter, Lorenz der Freigemeindler, Vater Sohn und Enkel etc. 9 Bogen. 9 Sgr.
Dieses Buch erzählt die Geschichte eines jener unglücklichen Mädchen, wie sie zu tausenden in großen und kleinen Städten, ohne häusliche Zucht und Wurzel in dem göttlichen Worte, von schwankenden Eltern er- und verzogen, aufwachsen, von Ansprüchen einer weniger als halben Bildung gestachelt, und von Romanlectüre und leichter Gesellschaft getragen, in allerlei schöne und hohe Gedanken hinauswuchern, hinter deren Gefühl sich doch die bloße Sinnlichkeit und hinter deren Phantasien sich die gewöhnlichsten Spekulationen verbergen, daß wenn dann die gar losen Blumenblätter im ersten Windstoße abfallen, die innere Armuth und Hülflosigkeit in ihrer Blöße dasteht. Die Heldin dieser Erzählung bleibt vor dem tiefsten Sumpfe der Sünde, in welchem schließlich unzählige ihres gleichen für ein ganzes Leben versinken, schon durch die Keuschheit der Feder einer weiblichen Verfasserin bewahrt. Sie gelangt mitten in ihren edlen Gefühlen nur bis zum gewöhnlichen Hausdiebstahl, und auch der wird ihr verziehen. Sie empfängt aber ihren Lohn dadurch, daß sie »ihr Glück macht« durch eine »gar nicht üble Partie«, von deren Jammer sie endlich das Durchgehen ihres Mannes befreit. Durch das alles hat die Gnade Gottes ihr leichtfertiges und widerstrebendes Herz aber immer stärker und stärker an sich gezogen, bis sie zu einer rechtschaffenen Buße und Umkehr gelangt. Als Gegenbild steht daneben die einfache, heitere und anmuthige Gestalt ihrer Jugendfreundin, eines ehrbaren, schlecht und recht in der Furcht Gottes aufgewachsenen Bürgermädchens. Durch die psychologische Wahrheit, und die gefällige Weise, womit die Begebenheiten von dem vielfach anerkannten Talente der Verfasserin dargestellt sind, vermag die Erzählung auch das Interesse von Leserkreisen aller Stände zu fesseln. Vorzüglich aber wäre es zu wünschen, daß Freunde der inneren Mission Mittel und Wege aufsuchten, um sie recht zahlreich in jenen Kreisen, aus deren Leben sie redet und auf welche sie als eine Warnungs- und Weckstimme insonderheit zu wirken bestimmt ist, zu verbreiten. –
Hinweise zur Transkription
Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt.
Darstellung abweichender Schriftarten: gesperrt, Antiqua, kursiv, fett.
Der Text des Originalbuches wurde grundsätzlich beibehalten, einschließlich uneinheitlicher Schreibweisen wie beispielsweise "erwidert" – "erwiedert", "heitzte" – "geheizt", "Spatziergang" – "Spaziergang",
mit folgenden Ausnahmen,
Seite [9]:
"deinen" geändert in "Deinen"
(Schäme Dich was mit Deinen Grobheiten)
Seite [17]:
"bemerke" geändert in "bemerkte"
(kurze Zeit darauf bemerkte Auguste, daß Fritz fortgegangen)