„Alle Beamten verneigten sich stumm; nur der Oberförster warf nach einigem Zagen die Behauptung hin: ‚Hochgräfliche Gnaden werden es aber nicht tun.‘

„‚Woher weiß er das?‘ fragte meine Großmutter mit der strengen Herrschermiene, die so vortrefflich wiedergegeben ist auf ihrem Bilde und die mich gruseln macht, wenn ich im Ahnensaal an ihm vorübergehe. ‚Daß ich mein Recht über Leben und Tod noch nie ausgeübt habe, bürgt nicht dafür, daß ich es nie ausüben werde.‘

„Wieder verneigten sich alle Beamten, wieder trat Schweigen ein, das der Inspektor unterbrach, indem er die Entscheidung der Gebieterin in einer wichtigen Angelegenheit erbat. Erst nach beendigter Konferenz erkundigte er sich, gleichsam privatim, nach der hohen Verfügung betreffs Mischkas.

„Und nun beging meine Großmutter jene Übereilung, von der ich im Anfang sprach.

„‚Fünfzig Stockprügel,‘ lautete ihr rasch gefällter Urteilsspruch; ‚gleich heute, es ist ohnehin Samstag.‘

„Der Samstag war nämlich zu jener Zeit, deren Sie,“ diesem Worte gab der Graf eine besondere, sehr schalkhafte Betonung – „sich unmöglich besinnen können, der Tag der Exekutionen. Da wurde die Bank vor das Amtshaus gestellt ...“

„Weiter, weiter!“ sagte die Gräfin, „halten Sie sich nicht auf mit unnötigen Details.“

„Zur Sache denn! – An demselben Samstag sollten die letzten Gäste abreisen, es herrschte große Bewegung im Schlosse; meine Großmutter, mit den Vorbereitungen zu einer Abschiedsüberraschung, die sie den Scheidenden bereiten ließ, beschäftigt, kam spät dazu, Toilette zum Diner zu machen, und trieb ihre Kammerzofen zur Eile an. In diesem allerungünstigsten Momente ließ der Doktor sich anmelden. Er war unter allen Dignitären der Herrin derjenige, der am wenigsten in Gnaden bei ihr stand, verdiente es auch nicht besser, denn einen langweiligeren, schwerfälligeren Pedanten hat es nie gegeben.

„Meine Großmutter befahl, ihn abzuweisen, er aber kehrte sich nicht daran, sondern schickte ein zweites Mal und ließ die hochgeborene Frau Gräfin untertänigst um Gehör bitten, er hätte nur ein paar Worte über den Mischka zu sprechen.

„‚Was will man denn noch mit dem?‘ rief die Gebieterin; ‚gebt mir Ruhe, ich habe andre Sorgen.‘