„Geben Sie uns eine Probe Ihrer wunderbaren Beredsamkeit, von der wir schon so viel gehört haben. Man sagt, daß Sie steinerne Herzen zu rühren und moralisch Tote zu den größten Taten zu wecken vermögen.“

Der Fremde lachte, und dieses Lachen war hell und frisch, wie das eines Kindes. Unwillkürlich mußte Rosenzweig denken: Du hast eine unschuldige Seele.

„Wie heißt der Mann?“ fragte er die Hausfrau.

Sie errötete und gab mit nicht sehr glücklich gespielter Unbefangenheit zur Antwort:

„Es ist mein Cousin Roswadowski aus dem Königreich.“

Niemals hatte der Doktor von einem berühmten Redner Roswadowski auch nur das geringste gehört; aber was lag daran? In Zeiten nationaler Erhebung pflegen ja von heut auf morgen nationale Größen aus dem Boden zu wachsen.

Roswadowski erwiderte den Blick, den der Arzt auf ihm ruhen ließ, mit einem ebenso forschend gespannten, und sich leicht gegen ihn verneigend, sagte er:

„Bitten Sie doch Herrn Doktor Rosenzweig zu sprechen. Er möge Ihnen sagen, was er von der Revolution erwartet.“

„Das wissen wir im voraus,“ entgegnete Aniela, „wie jeder gute Pole, die Wiederherstellung des Reiches, das allgemeine Wohl!“

„Olga, Duschenka moja,“ ließ wieder die Großtante sich vernehmen, „sage deiner Freundin, daß keiner ein guter Pole ist, der nicht ein guter Katholik ist.“