„Samariter!... Ich?“
„Jawohl, Sie! Der des Evangeliums pflegte des Sterbenden an der Heerstraße und übergab ihn dann fremder Hut. Sie haben den Sterbenden, den Sie auf Ihrem Wege fanden, in Ihr Haus aufgenommen, das dem verwaisten Christenknaben ein Vaterhaus geworden ist.“
Der Doktor deprezierte:
„– Wie man's nimmt,“ und dachte im stillen ganz grimmig: „Du bist gut unterrichtet, Lobhudler! Mein Haus ein Vaterhaus für einen solchen Chamer!“
Und in dem Augenblick beantwortete sich ihm eine Frage, die er oft erwogen hatte, die Frage: ob man wohl zwei Gedanken auf einmal haben könne, denn wahrhaftig, er hatte zugleich auch den: ich will dem Chamer, bevor ich ihn wegschicke, doch einen neuen Anzug machen lassen.
„So hat ein Jude getan,“ wandte der Redner sich an die Gesellschaft, „aus freiem Willen für einen Andersgläubigen, und was haben wir Andersgläubigen jemals aus freiem Willen für einen seines Volkes getan? Leset eure Geschichte und fragt euch selbst, ob ein Jude die Tage herbeiwünschen kann, in denen in Polen wieder Polen herrschen?“
Olga und Aniela erhoben Einwendungen; was die Herren betraf, so waren die meisten von ihnen dem Grafen W. in das Nebenzimmer gefolgt und hatten dort an Spieltischen Platz genommen. Nur der ehrwürdige Schlachziz und der Ankömmling aus Paris hielten ritterlich bei den Damen aus, und der erste versicherte, er habe sich in seiner Jugend auch mit der Geschichte seines Landes beschäftigt, darin jedoch niemals andre als glorreiche Dinge gelesen.
Jetzt wurde die Tür aufgerissen, ein Diener stürzte herein und meldete:
„Der Herr Kreishauptmann. Er wird gleich in den Hof fahren.“
Die mutigen Damen stießen einen Schrei des Entsetzens aus: