Er hatte nach dem Tode seiner Mutter einen einstigen Schulkameraden, Hugo von Weißenberg,
auf dem Lande besucht, und damals schon den Entschluß gefaßt, an Fleiß zu leisten, was ein Mensch nur leisten kann, zu sparen wie ein Geizhals, und wenn er das nöthige Geld zusammengebracht haben würde, ein Gütchen zu kaufen, auf dem er leben wollte nach seinem Sinne als Bauer, als Jäger. Vor mehreren Jahren schon hatte Weißenberg den kleinen Besitz für ihn erworben, aber damals war noch kein Wohnraum da, kein Stück Vieh, kein Ackergeräth, nichts.
»Alles Fehlende mußte erschrieben werden. Der beste, fürsorglichste Freund, der sich mit dem Instruiren meines zukünftigen Tusculum plagt, als gälte es seinem eignen Sohn eine Heimstätte einzurichten, sagt immer noch: ‘Arbeite weiter, ein kleines Betriebskapital mußt du haben, du verhungerst ohne Betriebskapital!’
Jetzt will ich mich ihm vorstellen, und zu ihm sprechen: ‘Sieh mich an, dahin hat die Litteratur mich gebracht. Ist’s nicht besser im Freien verhungern, als überschnappen in einer zugigen, lichtlosen Kammer? Ich brauche Ruhe, Ruhe vor der Litteratur.’«
»Mögen Sie die in Obositz finden,« erwiderte die Gräfin. Sie stand auf und trat ans Fenster, an dem Bertram saß. »In fünf Minuten sind wir angelangt, nehmen wir jetzt schon Abschied.« Auch der Graf trat heran: »Auf baldiges Wiedersehen; sagen Sie Freund Weißenberg, daß wir nächstens kommen, ich bitte, Herr Doktor.«
»O, Herr Graf, ich bin nicht Doktor.«
»Wie titulirt man Sie also?«
»Vogel, ganz einfach.«
»Was mich betrifft,« sagte die Gräfin liebenswürdig, »ich bleibe bei Vogelweid. Meine Erklärung habe ich Ihnen schon gemacht und pflege nichts zurückzunehmen.«
»Gerhart, da sind die Kinder,« wandte sie sich an ihren Mann.