Es schien Bertram unmöglich, daß dieser feierliche Empfang ihm gelte; er wendete sich, um zu sehen, ob nicht hinter ihm der Statthalter einherfahre, oder der Bischof. Aber er erblickte nur ein Staubwölkchen, das die Räder des Wagens aufgewirbelt hatten. Ach, und rings dufteten die Wiesen, und im Zweige eines breitblätterigen Lindenbaumes wurde eine Vogelsoirée mit Gesang und Wettflügen abgehalten.

Die Pferde waren in vollem Lauf, und ihr Lenker trieb sie noch an. Vom Wunsche beseelt, sich auszuzeichnen, wollte er vor dem Altan plötzlich pariren. Das Kunststück mißlang, die Equipage schoß wie der Blitz an den Herrschaften vorbei und dem Stalle zu.

»Holla, halt!« rief der Baron, riefen die männlichen Diener und rannten nach, und sämmtliche Schloßhunde setzten sich mit wüthendem Gebell an die Spitze des Zuges. Nach wenigen Augenblicken riß der Kutscher sein Gespann zusammen, aber Bertram hatte Zeit genug gehabt, um voll Erbitterung vor sich hin zu knirschen: »Bravo! wir liegen schon. Wenn das nicht scheitern heißt im Hafen!«

Der Wagen hielt, und in der nächsten Minute reichte Weißenberg dem Freunde die Hand. Sie hatte Schwielen. »Bist einmal da, endlich!«

»Endlich!« wiederholte Bertram, stieg aus und trat dem Schoßhündchen der Frau Baronin, das ihn umwedelte, auf die Pfote. Es entfloh heulend und er rief: »Himmel, wieviel Unglück habe ich heute mit Hausthieren!«

Die stattliche und gütige Wirthin war herbeigeeilt: »Es thut nichts, gar nichts, trösten Sie sich,« sprach sie huldvoll, »Paffi ist selbst schuld, warum drängt sie sich so heran? Freilich hat sie eine Entschuldigung; die Getreue machte sich zum Dolmetsch unserer Gefühle.«

Das Gesicht Weißenbergs leuchtete vor freudigem Stolze, während seine Gemahlin diese vortreffliche Ansprache hielt, und er massirte – bei ihm ein Zeichen hoher Erregung – sein rundes, ausrasirtes Kinn kräftig mit dem ringförmig zusammengebogenen Daumen und Zeigefinger seiner Rechten.

Bertram verbeugte sich, küßte der Baronin die Hand und erhaschte einen Blick aus ihren noch immer schönen Augen – er traute den eignen nicht – wahrlich einen zärtlichen Blick. Man trat unter das Portal; alte Bekanntschaften wurden aufgefrischt, neue gemacht.

Sieglinde, die Tochter des Hauses, vor vier Jahren ein schmales Backfischchen, prangte jetzt in vorzeitig strotzender Fülle. Sie litt zum Erbarmen unter den Ausbrüchen der Verwunderung, die sie

durch ihre bavarienhafte Erscheinung bei aller Welt hervorrief, und kämpfte bis zum Weinen mit beständigem, unmotivirbarem Erröthen.