»Nicht im Geringsten. Aber ich habe Cousinen und sogar Nichten« ...
»Die Brand heißen?« Beinahe wäre der Zusatz: »Brand tout court« ihr entwischt, doch verschluckte sie ihn noch rechtzeitig.
»Brand und anders,« erwiderte Dietrich.
»Anders?« Sie war auf einmal merkwürdig kühl geworden, sie bedauerte, auch nicht über ein Stück im Magazin verfügen zu können, der Bedarf war so groß, der Vorrath so klein, man mußte doch einige Auswahl haben für die älteren, werthen Kunden.
»Ich würde höhere Preise bezahlen als Ihre ältesten, werthesten Kunden,« sagte Dietrich langsam, nachdrücklich, aber auffallend sanft und fast liebreich.
»Bedaure. Ich habe eine große Verehrung für Herrn Rittmeister Brand, aber seine Nichten müssen warten.«
Da ergriff er ihre kleine, harte, bräunliche Hand und führte sie rasch an seine Lippen: »Respekt vor Ihnen Madame! Ihr Verdacht ist ganz unbegründet – Ihre brave Gesinnung steht wie ein
Fels. Ich sehe voraus, daß sich eine gute Freundschaft zwischen uns bilden wird.«
Entzückt über seinen Handkuß, aber doch noch etwas unsicher, bat Amélie, ihr zu verzeihen, wenn sie ihm Unrecht gethan habe.
»Ich verzeihe jeder Frau jeden, auch den schnödesten Verdacht gegen jeden Mann in dem einen Punkte,« entgegnete er. »Wir verdienen es nicht besser – im Allgemeinen.«