Brand grüßte mit einem tiefen Neigen des Hauptes: »Frau Major, gnädige Frau! entschuldigen, verzeihen Sie, daß ich es wage ...«
»Verzeihen?« wiederholte Sophie – »ich habe Sie erwartet, Herr Rittmeister.«
Erwartet? ja dann! ... dann waren alle seine Skrupel todt, dann war er von allem Bangen erlöst: »Brand, kurzweg, gnädige Frau, ich habe meinen Militär-Charakter« ... Er hielt inne. Was Teufel kümmerte sie sein Militär-Charakter und in diesem Augenblick ihn selbst? Sie stand vor ihm, ihre Augen sahen ihn freundlich, gütig an, sie hatte ihn erwartet ... »Gnädige Frau,« begann er von Neuem und – hörte auch damit
auf. Wer zu viel zu sagen hätte, zu viel des Innigen, Warmen, Liebevollen, sagt lieber nichts.
Annerl zupfte die Mutter am Kleide: »Du Mama, das ist der Herr, der mir so gern etwas schenken möcht’.«
Sophie runzelte ein wenig die Stirn, und Brand wurde sich erst jetzt wieder bewußt, daß er seine Darbringungen noch immer unter dem Arme hielt:
»Können Sie mir verzeihen, gnädige Frau, daß ich mir den indiskreten Wunsch erfüllen wollte, daß ich, einer übermüthigen Regung nachgebend ... ich bin beschämt, wirklich ... besann mich zu spät, hätte unterwegs gern Alles weggeworfen, wenn ich nur gewußt hätte, wohin?«
Seine Verlegenheit entwaffnete sie, und sie lächelte sogar, als er die Puppe aus ihrer Umhüllung befreite, in beide Hände nahm und der Kleinen entgegen hielt.
Annerl war wie geblendet, sie betrachtete das kostbare Spielzeug mit scheuer Ehrfurcht, legte die Ärmchen auf den Rücken und wich Schritt für Schritt langsam zurück. Brand machte sich so klein
er konnte und nahm die feinste Stimme an und den bittendsten Ton und zirpte: