Sophie nickte ihr, dann aber auch Brand freundlich zu: »Die ist im Himmel. Und der Kunstjünger dort ... Machen Sie sich gefaßt, jetzt bekommen wir ein wohlgetroffenes Bild von Ihnen,« sie deutete mit einem Augenwink nach Georg, der mit unendlichem Ernst daran gegangen war, Brand zu porträtiren.
Alles, was nicht zu seiner Beschäftigung gehörte, schien für den Kleinen versunken; der Eifer röthete seine Wangen, furchte seine kluge, überkluge Stirn. Er schob die Unterlippe ein wenig vor, hob die Augen zu Dietrich hinauf und senkte sie dann auf die Arbeit, nach einem so merkwürdig forschenden, in die Tiefe dringenden Blick, daß Brand sich auf dem lächerlichen Verdacht ertappte,
daß diesem Kind mehr darum zu thun sei, ihm auf den Grund der Seele zu schauen, als sein Gesicht abzukonterfeien.
»Die Mutter hat heute viel zu thun,« sagte Georg plötzlich ganz laut, aber in sein Buch hinein.
Dietrich blickte Sophie fragend an. Ja wohl, es waren noch einige Nachbestellungen gekommen, die morgen abgeliefert werden mußten.
»Da kostet Sie die Zeit, die ich hier zubringe, etwas von Ihrem Schlafe?«
»Und was weiter?«
»Was weiter!« rief er bekümmert aus. Er war aufgesprungen: »Gnädige Frau, entschuldigen Sie, und nicht wahr? dieser Besuch gilt nicht; haben Sie die Großmuth, ihn zu vergessen.«
Sie reichte ihm die Hand: »Gut denn, Sie waren nicht da.«
»Und wenn ich komme, dann sagen Sie wieder: Ich habe Sie erwartet.«