»Grünschnäbel, Dummköpfe! Ich wußte wohl, daß das erste Publikum 's Maul halten würde, damit die übrigen auch in die Falle gingen; ich wußte, daß sie den dritten Abend denken würden, nun sei die Reihe an ihnen. Ja, jetzt haben sie ihre Revanche. Ich gäbe was drum, wenn ich sehen könnte, was sie für ein Gesicht dabei machen.«
Diese Halunken hatten wirklich 465 Dollars an diesen drei Abenden eingenommen. Ich habe früher nie einen solchen Berg von Kleingeld beisammen gesehen.
Bald schliefen und schnarchten die beiden; da sagte Jim zu mir:
»Du nix sein erstaunt von unsre Könige, Huck?«
»Nein,« sagte ich, »durchaus nicht!«
»Aber Huck, sein ja wahre Teufelskerls, nix anderes, rechte echte Teufelskerls.«
»Nun, so viel ich weiß, sind das viele Könige.«
»So, du das meinen? Dann Jim nix wollen wissen von Könige.« –
»Lies doch etwas darüber nach, dann wirst du's sehen. Da ist Henry VIII.; im Vergleich mit dem ist der unsrige ein Sonntagsschul-Superintendent. Und dann Charles II. und Louis XIV. und Louis XV. und James II. und Eduard II. und Richard III. und noch viele andere; fast alle die angelsächsischen Fürsten in den alten Zeiten waren rechte Kains-Kinder. O, du solltest Henry VIII. in seiner Blüte gesehen haben. Das war ein Hauptkerl. Der heiratete ein neues Weib jeden Tag und am nächsten Morgen hieß es immer: ›Kopf ab!‹ Und er that dabei so gleichgültig, als ob er sich ein paar Eier bestellte. ›Nell Gwynn her,‹ rief er. Man brachte sie. – Nächsten Morgen: ›Kopf ab!‹ und ab war er. ›Jane Shore her,‹ rief er. Sie kommt. – Nächsten Morgen: ›Kopf ab!‹ – ab war er. ›Leute, die schöne Rosamund herbei‹; ›schön Rosamund‹ folgt dem Lockruf. – Nächsten Morgen: ›Kopf ab!‹
»Jede von diesen Frauen mußte ihm in der Nacht eine Geschichte erzählen und er sammelte dieselben, bis es tausend und eine waren; dann machte er ein Buch daraus, welches er ›Domesday book‹ nannte.[7] Ja, Jim, ich könnte dir noch manches von jenem König erzählen. Hast du nie davon gehört, was dieser Heinrich für Händel mit unserem Land anfing? Das ging so zu. Auf einmal läßt er so mir nichts dir nichts im Hafen von Boston allen Thee über Bord schmeißen und läßt eine Unabhängigkeitserklärung vom Stapel und droht mit einem Krieg. Das war seine Art so – keine Spur von Rücksicht und Billigkeit. Ein andermal hatte er seinen Vater, den Herzog von Wellington, im Verdacht. Was thut er? – Er geht her und läßt ihn in einem Syrupfaß ersäufen wie eine Katze. Wenn die Leute Geld herumliegen ließen und er sah es – wupp dich, steckte er es ein. Er brauchte nur den Mund aufzuthun und wenn er ihn nicht gleich wieder zuklappte, kam allemal eine Lüge heraus. Ja, wenn dieser Heinrich über das Städtchen drüben gekommen wäre, der hätte ihm noch ganz anders mitgespielt, das kannst du mir glauben.«