»Gut,« sagte ich, »von Ihnen will ich nichts mehr als Ihr Wort – mir ist das sicherer, als wenn ein anderer auf die Bibel schwört.« Sie lächelte und errötete lieblich – ich fuhr fort: »Wenn Sie nichts dagegen haben, will ich die Thür schließen – und verriegeln.«
Dann kam ich zurück, setzte mich nieder und begann:
»Nun bitte ich, nicht aufzuschreien. Sitzen Sie hübsch still und hören Sie mich an wie ein Mann. Ich muß die Wahrheit reden, und Sie müssen sich fassen, Fräulein Mary, denn sie ist schlimmer Art und schwer zu ertragen, aber es geht einmal nicht anders. Diese Onkel sind gar nicht Ihre Onkel; sie sind ein paar Betrüger, erbärmliche Landstreicher. – So, über's Schlimmste sind wir nun weg – den Rest werden Sie ziemlich leicht ertragen.«
Natürlich griff sie dieser Anfang tüchtig an; doch ich war jetzt über das Gröbste weg und konnte nun leichter fortfahren. Ihre Augen leuchteten mehr und mehr, als ich ihr alles erzählte, von dem Augenblick an, wo wir den jungen Burschen trafen, der zum Dampfboot wollte, – alles haarklein – bis zu dem Moment, wo sie sich bei der Hausthür dem König an die Brust warf und ihn sechzehn- oder siebzehnmal küßte. Da sprang sie auf – ihr Gesicht glühte wie die untergehende Sonne – und rief:
»Der Schändliche! – Komm, verlier' keine Minute, keine Sekunde – die sollen geteert und gefedert und in den Fluß geworfen werden!«
Ich entgegnete:
»Versteht sich. Aber doch nicht, bevor Sie zu Lothrops gehen, oder –«
»O!« rief sie, »was fällt mir nur ein!« und setzte sich wieder. »Wo habe ich meine Gedanken? Du bist mir doch nicht böse, nicht wahr?« – und dabei legte sie ihre Sammethand auf meine, daß ich meinte, ich müßte vergehen. »Meine Aufregung war auch zu groß,« sagte sie, »sei jetzt so gut und fahre fort, ich werde mich nun zusammennehmen. Sag' mir nur, was ich thun soll, es soll genau befolgt werden!«
»Wahrhaftig,« sprach ich, »es ist eine schlimme Bande, diese zwei Gauner, und ich bin leider darauf angewiesen, daß ich mit ihnen noch eine Weile reisen muß, ob ich will oder nicht – den Grund sage ich Ihnen lieber nicht. Allerdings, wenn Sie die Kerls anzeigten, würde diese Stadt mich schon aus ihren Klauen reißen, und ich wäre sicher; es ist aber noch ein anderer Mensch, von dem Sie nichts wissen, dem es dann schlecht gehen könnte. Den müssen wir doch retten, nicht wahr? Natürlich, so wollen wir denn das Pärchen noch nicht anzeigen.«
Wie ich das sagte kam mir ein guter Gedanke. Am Ende gelang es doch, mich und Jim von den Gaunern loszumachen und sie hier ins Gefängnis zu bringen. Doch da ich das Floß nicht bei Tage treiben lassen wollte, so durfte mein Plan nicht vor Abend zur Ausführung kommen. Ich sagte: