»Na, Alte, mach' mich nicht toll, ich weiß kaum, was ich denken soll, ich bin wahrhaftig am Ende meiner Weisheit und die Geschichte ist mir unbegreiflich! Gekommen ist er aber nicht, soviel steht fest, denn ich kann ihn nicht verfehlt haben. Ach, Sally, es ist schrecklich – schrecklich – aber ich fange wahrhaftig an, zu glauben, daß dem Boot etwas passiert sein muß!«

»Da, Silas, sieh' doch einmal dahin – zum Fenster hinaus – kommt dort nicht jemand daher?«

Er sprang ans Fenster und starrte hinaus, dem Zimmer den Rücken kehrend, und das war's, was sie wollte. Flink bückte sie sich nach mir und faßte mich am Rockkragen; ich kroch hinter dem Bett hervor, und wie sich der alte Herr wieder umdrehte, stand sie strahlend und leuchtend und glühend da, wie eine ganze Feuersbrunst, und ich daneben, erbärmlich wie ein begossener Pudel mit hängenden Ohren und hängendem Schwanze. Mir brach der Angstschweiß aus allen Poren.

»Na, wen haben wir denn da?« ruft er und starrt mich an.

»Wen meinst du wohl?« fragte sie schlau.

»Woher soll ich das wissen? Ich hab' keine Ahnung! Wer ist's denn?«

»Ei, Tom Sawyer ist's, Männchen!«

Mir war's, als zuckte ein Blitzstrahl vom Himmel und schlüge neben mir ein. Tom Sawyer! – Aber ehe ich noch Atem schöpfen konnte, hatte mich schon der alte Mann bei der Hand und drückte und schüttelte sie bis er genug hatte. Und seine Frau tanzte um uns herum wie ein Indianerhäuptling und lachte und weinte, und beide feuerten zwischendurch ganze Salven von Fragen auf mich los über Tante Polly und Sid und Mary und die übrigen.

Ihre Freude aber, so groß sie auch sein mochte, war nichts gegen die meine. Ich fühlte mich wie neugeboren, wußte ich doch endlich, wer ich eigentlich sei! Und daß ich mich als solch' guten alten Bekannten entpuppte, das, nein, das – ich kann gar nicht sagen, wie mir zu Mute war! Eine ganze Stunde lang bestürmten mich nun die beiden mit ihren Fragen, und meine Redewerkzeuge waren endlich so müde, daß sie beinahe den Dienst versagten. Ich hatte den beiden aber auch mehr über meine Familie, d. h. die Familie Sawyer, erzählt, als sechs Familien in sechs mal sechs Jahren erleben können. Dann sprach ich von meiner Reise, dem Boot, der geplatzten Cylinderröhre, dem Schreck und der Aufregung dabei, und sie hingen an meinem Munde und verschlangen sozusagen jedes Wort.