»Na, dein Verdienst ist das nicht, Silas, das brächtest du auch noch fertig, wenn's möglich wäre! Und das Hemd ist's noch gar nicht allein, was fehlt, nein, es fehlt auch ein Löffel. Zehn waren's und neun sind's nur noch, einer ist weg. Wenn das Kalb das Hemd gefressen hat, wie sie mir vormachen wollen – den Löffel hat's doch sicher nicht mit verschluckt! Soviel ist sicher!«
»Fehlt sonst noch was?«
»Ja, noch was! Sechs Talglichter – das ist doch was, denke ich. Die könnten die Ratten gefressen haben, das wär' möglich, wahrhaftig, es ist ja ein Wunder, daß sie noch nicht das ganze Haus verschluckt haben, du kümmerst dich ja keinen Pfifferling drum, Silas, ob ihre Löcher verstopft sind oder nicht. Sie könnten in deinen Haaren nisten, dir wär's einerlei, ich glaub', du merktest noch gar nichts davon – das Verschwinden des Löffels aber kann man auch den Ratten nicht in die Schuhe schieben – das ist doch klar!«
»Ja, Sally, du hast recht, das hab' ich wirklich versäumt, aber ich versprech' dir, daß ich noch vor heut' abend die Löcher alle selbst zustopfe – und ordentlich!«
»O, es hat ja keine Eile, nächstes Jahr ist's auch noch Zeit!«
Plumps fällt der Fingerhut hörbar auf den Schädel eines Sprößlings, und heulend zieht er die Finger aus der Zuckerdose zurück, in der sie herumgekrabbelt. Da erscheint Liese, die Niggerfrau, welche die Hausarbeit besorgt, unter der Thüre:
»Frau, es fehlen auch eine Betttuch!«
»Ein Betttuch? Herr, du mein Gott!«
»Jetzt stopf' ich aber gleich die Rattenlöcher zu!« seufzt Onkel Silas und sieht sehr reuig und bekümmert aus.
»O, schweig' still!« fährt Tante Sally auf ihn los, »denkst du denn vielleicht, die Ratten hätten das Betttuch verzehrt? Wo mag das Betttuch sein, Liese?«