»Weiß nix – aber vielleicht. Dunkel sein's freilich hier, un Jim auch nix brauchen Blum', sein viel Arbeit un Jim nix von verstehen.«
»Na, probieren kannst du's aber doch, andre Gefangene haben's auch gethan.«
»So 'ne alte, stachelige Distel oder gelbe Kuhblum' können wachsen hier, Massa Tom, aber die sein nix wert die Arbeit, wo sie machen!«
»Sag' das nicht, Jim, sag' das nicht. Wir holen dir eine kleine Kuhblume und du pflanzst sie dort in die Ecke und ziehst sie groß, und du darfst's auch nicht ›Kuhblume‹ heißen, sondern ›Picciola‹, so heißen alle Blumen im Gefängnis, und du mußt sie mit deinen Thränen begießen.«
»O, Jim haben Wasser genug dort im Krug!«
»Wasser thut's nicht – Thränen müssen's sein – so machen's alle Eingekerkerten!«
»Aber, Massa Tom, Jim können groß ziehen zwanzig Kuhblum' mit Wasser, eh' die ein' auch nur wird angehen mit Thränen!«
»Darauf kommt's gar nicht an – die Hauptsache sind die Thränen!«
»Dann Kuhblum' welken gleich, Massa Tom, Jim nie nix weinen – beinah' nie nix!«
Das schlug denn Tom, aber er grübelte ein bißchen nach und sagte dann, Jim müsse eben sein Bestes thun und Zwiebeln zu Hilfe nehmen. Er versprach, einige bei den Niggern auszuführen und sie in Jims Kaffeetopf zu stecken. Jim meinte, er wolle ebenso gern Tabak im Kaffee haben und rebellierte dermaßen dagegen sowie gegen alles übrige: die Zucht der Kuhblume, das Musizieren für die Ratten, das Zähmen von Schlangen und Spinnen und besonders gegen die verrückte Plage, wie er sich ausdrückte, mit den Federn, Inschriften, Tagebüchern und so weiter, wovon er mehr Geschäft und Verantwortung als Gefangener habe, als je zuvor in seinem ganzen Leben, so daß Tom sehr ungeduldig und böse auf ihn wurde und sagte, er solle sich schämen, er habe doch gewiß allen Grund dankbar zu sein; mehr Gelegenheit als er, sich einen berühmten Namen zu machen, habe noch gar kein Gefangener in der weiten Welt gehabt, und er wisse das nicht besser zu schätzen und zu würdigen, als wenn er ein unvernünftiges Tier wäre, – es sei alles an ihm verschwendet. Und Jim ging in sich, sah's ein und es that ihm leid, und er sagte, er wolle nie wieder so sein. Dann schlichen wir uns befriedigt zu Bett.