»Ein Dutzend, meint ihr, habe geholfen? Ei, vierzig konnten kaum mit dem fertig werden, was gethan worden ist. Seht nur einmal die Sägen aus Taschenmessern an und all das Zeug, was da für Zeit dazu gehört, um das fertig zu kriegen, und damit haben sie den Bettpfosten durchsägt, und dann die Strohpuppe auf dem Bett und –«
»Das ist jetzt leicht sagen, Bruder Hightower, das hab' ich grad' vorhin dem Bruder Phelps selbst gesagt. Er frug mich: ›wie denkt ihr denn drüber, Schwester Hotchkiß?‹ Ueber was, Bruder Phelps, sag' ich, über was? ›Ueber den Bettpfosten, wie der abgesägt ist‹, sagt er. Drüber denken? sag' ich, drüber denken? Ei, von selbst hat sich der nicht abgesägt, sag' ich, da wett' ich meinen Kopf, sag' ich – den hat niemand abgesägt, sag' ich und dabei bleib' ich. Das ist meine Meinung, sag' ich, sie mag nicht viel wert sein, sag' ich, aber 's ist nun einmal meine Meinung, sag' ich, und wenn's jemand besser weiß, sag' ich, der soll's nur sagen, sag' ich, und so ist's und dabei bleib' ich. Und, sag' ich zu Schwester Dunlap, Schwester Dunlap, sag' ich –«
»Meiner Seel', das muß ja eine ganze Schar Nigger gewesen sein, die in der Hütte Nacht für Nacht ihr Wesen getrieben haben, um all das fertig zu kriegen, Schwester Phelps. Seht nur einmal das Hemd an – jeder Zoll davon mit geheimnisvoller afrikanischer Blutschrift bedeckt. Eine ganze Schar, sag' ich, muß dahinter her gewesen sein all die Wochen! Ich gäb' wahrhaftig zwei Dollars, wenn mir einer das Zeug erklären könnte, und die Kerle, die's geschrieben haben, würd' ich peitschen, bis –«
»Eine ganze Schar zum helfen, Bruder Marples, sagt ihr? Ja, das will ich meinen! Ich wollt' nur, ihr wäret in dem Unglückshaus gewesen und hättet die letzten Wochen miterlebt. Die Kerls haben gestohlen, was ihnen unter die Finger kam – und wir immer hinter allem her und trotzdem stahlen sie weiter! Sie haben das Hemd unter meiner Nase von der Waschleine weggenommen und auch das Leintuch, aus dem sie die Leiter gemacht haben, – ich weiß gar nicht, wie oft sie Leintücher von der Waschleine gekrippst haben! Und Mehl und Kerzen und Leuchter und Löffel und die alte Pfanne und tausend Dinge, auf die ich mich jetzt nicht besinnen kann, und mein neues Kattunkleid, und dabei waren ich und Silas und mein Tom und Sid immer dahinter her, Tag und Nacht, wie ich schon gesagt habe, und keiner von uns konnte auch nur ein Haar von ihnen entdecken. Und jetzt, zuguterletzt, führen die Kerle nicht nur uns an, sondern noch dazu die Räuberbande vom Indianerterritorium, und kriegen wahrhaftig den Neger weg mit heiler Haut, trotz den sechzehn Mann und zweiundzwanzig Hunden, die ihnen auf den Fersen sind. Da mach' sich einer einen Vers drauf! Ei, Geister hätten's nicht besser besorgen, nicht flinker und gewichster sein können! Und ich glaub' wahrhaftig, es müssen Geister gewesen sein, denn – nehmt nur einmal unsre Hunde an – ihr kennt sie alle, bessre giebt's gar nicht – und hat auch nur einer von ihnen die leiseste Spur von den Kerlen entdeckt – he? Das erklär' mir einer – wenn er kann! He?« –
»Ja, das übersteigt denn doch –«
»Hat man je so was gehört, so –«
»Herr, du mein Gott, ich –«
»Hausdiebe sowohl als –«
»Herr, du meine Güte, ich hätt' mich zu Tode gefürchtet, wenn ich in dem Hause –«
»Zu Tode gefürchtet? Ei, ich bin auch beinahe gestorben vor Angst! Ich hab' kaum gewagt ins Bett zu gehen oder aufzubleiben, zu liegen oder zu stehen, Schwester Ridgeway – ihr könnt mir's glauben. Ei, die waren imstande, mir das Tuch unterm – na, ihr könnt euch denken, in welcher Aufregung ich war, als gestern Mitternacht herankam. Ich war so weit, daß ich jeden Augenblick dachte, mein bißchen Verstand müsse auch noch mit draufgehen. Ich glaubte wahrhaftig, sie würden zum Schluß noch anfangen die Kinder zu stehlen. Jetzt bei Tag hört sich's freilich komisch an, aber, sag' ich zu mir selbst, da sind meine zwei armen, unschuldigen Jungen da oben und schlafen und wissen nichts in dem einsamen, dunklen Zimmer, und wahrhaftig, ich wurde bei dem Gedanken so unruhig, daß ich hinaufkroch und die Thüre verschloß. Wahrhaftig, das that ich! Und das hätte jeder an meiner Stelle auch gethan. Denn, wißt ihr, wenn man erst einmal anfängt sich zu fürchten, und es geht weiter und weiter und wird schlimmer und schlimmer und man verliert den Kopf und kriegt das Zittern und weiß kaum mehr, was man thut, da befürchtet man jeden Augenblick etwas Schreckliches. Ich dachte, wenn du so ein armer Junge wärst und schliefst da oben allein und das Zimmer wäre nicht verschlossen und man –« Da hielt sie auf einmal ein und ihr Auge nahm einen starren, verwunderten Ausdruck an, als wolle sie sich auf etwas besinnen, und sie wandte mir langsam den Kopf zu und ihr Blick streifte mich und ich dachte, es sei gesünder für mich, einen kleinen Spaziergang zu unternehmen, ehe sie zu Worte komme.