Jim meinte aber, wenn wir unser Boot versteckten und alle unsere Sachen hierher brächten, so könnten wir uns so schön verbergen, wenn einmal irgend jemand käme; ohne Hunde könnte uns dann kein Kuckuck finden. Und, sagt er nochmals eindringlich, die jungen Vögel von vorhin hätten doch Regen angezeigt, ob ich durchaus alles eingeweicht haben wolle!

Das leuchtete mir ein! Wir also zurück und rudern das Boot bis zu einem Platz am Ufer, der unserm Felsen möglichst nahe war, schifften unsre Habseligkeiten aus und verbargen sie in der Höhle. Dann fanden wir unter dichtem Weidengestrüpp ein Versteck für unser Boot, sahen nach der Fischleine, nahmen einige Fische weg, warfen die Leine wieder aus und dachten nun an unser Mittagbrot.

Die Oeffnung der Höhle war ziemlich groß und an einer Seite war der Boden etwas erhöht, wo man bequem ein Feuer anzünden konnte, was wir denn auch gleich thaten und unser Essen kochten.

Unsere Decken legten wir als Teppiche auf den Boden, lagerten uns drauf und verzehrten unser Mahl. Alle andern Dinge ordneten wir im Hintergrunde der Höhle. Bald danach sah man draußen wirklich graue, dicke Wolken, und es fing an zu blitzen und zu donnern; – die jungen Vögel hatten diesmal also wahrhaftig recht gehabt! Ein solches Unwetter hatte ich noch nie erlebt. Das goß und goß; wahre Fluten sausten durch die Luft, daß alles draußen grauschwarz aussah und die nächsten Bäume nur noch wie Spinngewebe durchblickten. Bei jedem Windstoß fuhren die Bäume mit den Kronen nach unten, als wollten sie Purzelbäume machen und zur Abwechslung einmal die Wurzeln in die Luft strecken; alles schien wie toll und losgelassen. Da – als es gerade noch am schwärzesten ist und am tollsten rast – wird auf einmal alles hell und klar, wie blankes Gold, daß man weit, weithin die Bäume herüber und hinüber schwanken sieht; im nächsten Moment ist wieder alles stockfinster, der Donner bricht mit einem furchtbaren Krach los und geht dann über in ein Gerumpel, als ob leere Fässer steile Treppen hinabgerollt würden, wo sie so recht stoßen und poltern und krachen können.

»Das ist nett, Jim,« sag' ich, »Gott sei Dank, daß wir im Trocknen sind. Reich' mir doch den Fisch nochmals her und ein ordentliches Stück Brot.«

»Alte Jim aber sein Schuld, daß du sein hier, Huck. Ohne alte Jim du wären naß un kalt un halber ertrinkt da drunten im Wald. Ja, ja, Alter, junge Hühner wissen wann Regen kommt, un junge Vogel auch!«

Der Fluß stieg und stieg, zehn oder zwölf Tage lang, bis er zuletzt aus dem Ufer trat. Die Insel war an den niedrigen Stellen drei bis vier Fuß unter Wasser. Am Tag ruderten wir überall drauf umher. Es war herrlich kühl inmitten des Waldes, während die Sonne draußen stach und brannte. Wir wanden uns zwischen den Bäumen durch, kamen aber oft an solche Massen von wilden Waldreben, die sich von Baum zu Baum schlangen und uns den Weg versperrten, daß wir umwenden und eine andere Richtung suchen mußten. Auf jedem alten, umgestürzten Baumstamm saßen Kaninchen, Eichhörnchen, Schlangen, Schildkröten und andres Getier, und als das Wasser einmal zwei, drei Tage da war, wurden sie aus Hunger so zahm, daß man sie greifen konnte, d. h. wir fingen die Kaninchen und Eichhörnchen, die andern ließen wir laufen, denn wir hatten in unserer Höhle mehr davon als uns lieb war.