»Na, du bist aber gut! Dreihundert Dollars läßt man doch nicht so mir nichts dir nichts auf der Straße liegen. Weit kann er ja auch noch gar nicht sein. Das sagen viele, und ich gehöre zu denen. Sprech' ich da vor ein paar Tagen mit einem alten Pärchen, das gleich da vorn in der kleinen Blockhütte wohnt. Die erzählten mir, die Insel da draußen im Fluß sei ganz unbewohnt, da komme nie jemand hin. Denk' ich, du willst doch blind werden, wenn du nicht vor ein paar Tagen dort Rauch gesehen hast; wer weiß, ob da nicht der Nigger steckt? Seitdem hatt' ich nichts wieder gesehen, vielleicht war er also schon weiter. Sagen that ich aber nichts, sondern denk': wartst bis dein Alter kommt. Der war nämlich vor ein paar Tagen mit einem Freunde flußaufwärts gegangen und ist erst vorhin, vor zwei Stunden, wiedergekommen. Da hab' ich ihm gesagt, was ich weiß und was ich denke, und nun will er mit noch einem hinüber und nachsehen!«

Mir war's als säß' ich auf heißen Kohlen. Ich rutschte hin und her und mußte mir was zu schaffen machen. Ich nehm' also eine Nadel vom Tisch und probier' sie einzufädeln. Aber meine Hände zitterten in einem fort und ich konnte nicht damit fertig werden. Plötzlich hört die Frau zu reden auf und als ich aufblicke bemerke ich, wie sie mir immerfort zusieht und dabei so sonderbar vor sich hingrinst. Ich leg' Nadel und Faden weg und thu', als hätt' ich nur noch Sinn für die Geschichte, die mich auch wirklich interessierte, und frage:

»Weiß Gott, dreihundert Dollars ist ein ordentlicher Klumpen Geld. Wollt', meine Mutter hätt's. Geht Euer Mann noch heut' nacht hinaus?«

»Versteht sich, so was muß schnell gethan werden oder gar nicht. Er ist nur noch in die Stadt, um sich ein Boot und eine Flinte zu leihen! Ich glaub' nach Mitternacht wollen sie ausziehen!«

»Könnten sie denn am Tag nicht besser sehen?«

»O du liebe Unschuld, du! Denkst du, der Nigger sei am Tag blind? Nein, nein! Jetzt in der Nacht schläft er sicher und die Männer können sich um so besser durch den Wald schleichen und ihn bei seinem Lagerfeuer überraschen – wenn er eins hat, heißt das!«

»Ach natürlich! Daran hab' ich gar nicht gedacht!«

Ich fühlte, daß die Frau mich immerzu ganz merkwürdig anstarrte und mir war gar nicht wohl in meiner Haut. Auf einmal fragte sie:

»Wie hast du doch gesagt, daß du heißt?«