Vierzehntes Kapitel.
Gelehrte Unterhaltungen. – Der Harem. – Französisch.
Nachdem wir uns allmählich aus unserm Schlaf herausgerappelt hatten, untersuchten wir die Beute, die wir den Kerlen vom Schiff abgejagt, und fanden herrliche Dinge drunter. Stiefel, wollne Decken, Kleider, viele Bücher, ein Fernglas, zwei Kistchen ›Ziehgarren‹ und sonst noch eine ganze Menge Brauchbares. So reich an derartigen schönen Sachen waren wir noch nie zuvor gewesen, keiner in seinem Leben! Die ›Ziehgarren‹ besonders waren wundervoll, echte ›Harrwanna‹ oder wie sie die Dinger heißen. Wir lagen den ganzen Nachmittag unter den Bäumen und dampften, und ich las dazu in den Büchern, es war ganz herrlich! Ich erzählte nun Jim alles, was ich in dem Wrack und an der Fähre erlebt hatte und wie das nun doch einmal ein ordentliches Abenteuer gewesen sei. Er aber wollte nichts von Abenteuern wissen, dankte dafür und sagte, er sei schon halb tot gewesen, als er das Floß nicht mehr habe finden können, und habe geglaubt, nun sei alles aus, so oder so. Entweder müsse er ertrinken und sei verloren oder er werde gerettet und würde ausgeliefert und verkauft, und das sei auch nicht viel besser für ihn. Darin hatte er nun recht, er hatte überhaupt beinahe immer recht; er war ein merkwürdiger alter Schlaukopf für einen Nigger.
Ich las Jim dann aus einem Buche vor. Da stand viel von Königen, Herzögen und Grafen und dergleichen drin, wie vornehm die sich anziehen und wie kostbar, und wie sie sich gegenseitig ›Majestät‹ und ›Hoheit‹ und ›Durchlaucht‹ anreden nicht bloß mit ›Herr‹. Jims Augen quollen förmlich aus dem Kopf heraus, so interessierte es ihn. Sagt' er:
»Jim gar nix wissen, daß 's sein so viele! Jim nie nix davon hören! Jim nur wissen vom alten König Sallermon un – ja, von die Kartenkönige! Wie viel so ein König denn kriegen?«