Ich also wieder zum Floß zurück. Jim war schrecklich enttäuscht, ich aber tröstete ihn und meinte, Kairo käme gewiß jetzt erst.
Vor Tagesanbruch noch kamen wir an einer andern Stadt vorbei und ich wollte eben hin und fragen. Da sagte Jim, die Ufer seien zu steil hier, Kairo liege flach, das wisse er; so blieb ich denn. Wieder bargen wir unser Floß für den Tag. Allmählich dämmerte mir eine Ahnung, Jim desgleichen. Sag' ich:
»Jim, ich glaub', wir sind am Ende letzte Nacht im Nebel an Kairo vorbeigefahren!«
Antwortet er:
»Wir nix wollen reden mehr davon. Arme Nigger können nix haben Glück! Jim immer denken, Schlangenhaut von Insel hören noch nix auf zu bringen Unglück!«
»Wollt', ich hätt' die verd– Haut nie gesehen, Jim, wahrhaftig, ich wollt's!«
»Sein nix deine Schuld, Huck, du nix konnten wissen von Schlangenhaut-Unglück!«
Als es Morgen ward sahen wir deutlich, wie sich das klare Ohio-Wasser mit dem schmutzigen Gelb des Mississippi mengte. Nun war's also aus und vorbei, war verpaßt, soviel war sicher! An ein Zurückgehen, an ein Stromaufwärtsfahren mit dem Floß war nicht zu denken, es blieb uns nur übrig, unser Heil in dem Boot zu probieren. Im Augenblick ließ sich nichts andres thun als die Nacht abzuwarten. So schliefen wir denn den ganzen Tag im Weidendickicht, um uns fürs Kommende zu stärken, und als wir gegen Abend zum Floß gingen, war das Boot, unsere letzte Hoffnung, – fort! Losgerissen, fortgeschwemmt von der Strömung!
Lange, lange sagten wir kein Wort, wir wußten, daß die Schlangenhaut nochmals im Spiel gewesen. Was ließ sich da also sagen? Das hätte am Ende nur noch mehr Unglück heraufbeschworen; es war daher das Beste, geduldig stille zu halten! –