»Meinen Sie das im Ernst?«

»Ja, in vollem Ernst. Ich habe nichts gegen Sie als Menschen, aber ich muß Ihnen als Beamten den Vorwurf machen, daß Sie Ihren Befehl nicht ausgeführt haben, und wenn Sie mich nicht anzeigen, muß ich Sie anzeigen. Und das werde ich auch tun.«

Der Schaffner sah ganz verblüfft drein und dachte einen Augenblick nach; dann rief er:

»Ich habe mich da, wie’s scheint, selber in eine nette Patsche gebracht. Das Ganze ist ja ein großer Kuddelmuddel; ich werde absolut nicht mehr klug daraus. So was ist mir noch niemals vorgekommen. Die Leute haben sich stets gefügt und nie ein Wort gesagt, daher habe ich auch gar nicht bemerkt, wie lächerlich der dumme Befehl ohne Strafbestimmungen ist. Ich wünsche niemand anzuzeigen, wünsche aber auch selber nicht angezeigt zu werden – um Gottes willen, davon könnte ich ja endlose Scherereien haben! Bitte, spielen Sie nur ruhig weiter – spielen Sie den ganzen Tag, wenn Sie Lust haben –, und reden wir nicht mehr davon!«

»Nein, ich habe bloß diesen Platz hier eingenommen, um die Rechte dieses Herrn hier zu vertreten – jetzt kann er selbst weiterspielen. Doch bevor Sie gehen – wollen Sie mir nicht vielleicht sagen, weshalb nach Ihrer Meinung die Gesellschaft diese Vorschrift erlassen hat?«

»Der Grund für die Vorschrift ist vollkommen klar und einfach; sie ist erlassen aus Rücksicht auf die Gefühle, ich meine die religiösen Gefühle der Mitfahrenden. Es ist vielen unter ihnen peinlich, wenn durch Kartenspielen auf den Eisenbahnen der Sonntag entheiligt wird.«

»So dachte ich mir’s auch. Sie finden nichts dabei, den Sonntag durch Reisen zu entheiligen, aber sie wollen nicht dulden, daß andre Leute …«

»Wahrhaftig, Sie haben den Nagel auf den Kopf getroffen. Auf diesen Gedanken war ich noch nie gekommen. Aber es ist wirklich eine alberne Vorschrift, wenn man genauer zusieht.«

In diesem Augenblick kam der Zugführer herzu und wollte sehr von oben herab das Kartenspielen untersagen, aber der Schaffner nahm ihn auf die Seite, um ihm den Fall auseinanderzusetzen. Wir hörten kein Wort mehr von der Geschichte.

In Chicago lag ich elf Tage lang krank zu Bett und bekam daher von der Weltausstellung keinen Schimmer zu sehen, denn ich war genötigt, nach dem Osten zurückzukehren, sobald ich wieder reisefertig war. Am Tage vor unsrer Abreise bestellte der Major eine Salonabteilung in einem Schlafwagen und bezahlte den Preis dafür. Ich hatte also einen bequemen großen Raum zur Verfügung; als wir aber auf dem Bahnhof ankamen, stellte sich’s heraus, daß aus Versehen unser Wagen nicht angehängt worden war. Der Schaffner hatte einen Abteil für uns freigehalten – mehr könne er nicht tun, sagte er. Aber der Major sagte, wir hätten es nicht so eilig und wollten warten, bis der Wagen angehängt sei. Hierauf antwortete der Schaffner mit freundlicher Ironie: