Der Bahnhofsvorsteher war nicht wenig ärgerlich – auf den Major, nicht auf den Mann, der das Versehen gemacht hatte. Er war ziemlich kurz angebunden und stellte sich auf den gleichen Standpunkt wie anfangs der Schaffner; aber das rührte den Artilleristen durchaus nicht; er bestand mit seiner freundlichen Ruhe darauf, er müsse seinen Wagen haben. Offenbar lag in diesem Fall der ganze Vorteil des Rechts nur auf der einen Seite, und zwar auf der des Majors. Der Stationsvorsteher gab sein ärgerliches Wesen auf und wurde höflich; er bat sogar halb und halb um Entschuldigung. Dies war eine gute Eröffnung von Vergleichshandlungen, und der Major gab nun auch etwas nach. Er sagte, er wolle auf die bestellte und bezahlte Salonabteilung verzichten, aber eine Salonabteilung müsse er haben. Nach einigem Suchen wurde eine gefunden, deren Inhaber sich überreden ließ; er vertauschte sie mit unserm Sonderabteil, und wir fuhren endlich ab.

Am Abend besuchte der Schaffner uns und war freundlich und höflich und zuvorkommend. Wir hatten ein langes Gespräch miteinander und wurden schließlich gut Freund. Er sagte, er wünsche, das Publikum beschwerte sich öfter – das würde von guter Wirkung sein. Man könnte nicht erwarten, daß die Bahnverwaltungen den Reisenden gegenüber ihre Schuldigkeit täten, solange nicht die Reisenden sich selber darum bekümmerten.

Ich hoffte, wir hätten jetzt auf unsrer Reise genug reformiert, aber dem war nicht so. Am andern Morgen bestellte der Major, als wir im Speisewagen saßen, ein gebratenes Huhn. Der Kellner sagte:

»Es steht nicht auf der Speisekarte, Herr; wir servieren nichts, was nicht auf der Karte steht.«

»Der Herr da drüben ißt Huhn.«

»Ja, das ist aber ’was andres. Er ist Betriebsdirektor bei der Gesellschaft.«

»Dann muß ich erst recht gebratenes Huhn haben. Solche Unterscheidung liebe ich nicht. Bitte, schnell – bringen Sie mir ein gebratenes Huhn!«

Der Kellner kam mit dem Steward, und dieser setzte leise und höflich dem Major auseinander, es ließe sich unmöglich machen – es wäre gegen die Vorschrift, und die Vorschrift laute auf das strengste.

»Sehr wohl; dann müssen Sie sie entweder unparteiisch anwenden oder sie unparteiisch brechen. Sie müssen dem Herrn sein Huhn wegnehmen oder mir auch eins bringen.«

Der Steward wußte nicht, was er machen sollte. Er begann eine unzusammenhängende Erklärung vom Stapel zu lassen, und in diesem Augenblick kam der Schaffner vorbei und fragte, wo’s fehle. Der Steward setzte ihm auseinander, da wäre ein Herr, der durchaus ein Huhn haben wollte, obwohl das doch gegen die Vorschrift wäre und jenes Gericht nicht auf der Speisekarte stände. Der Schaffner sagte: