»Recht guter Wasserstand jetzt – nicht wahr, Sir?«
»Nun, das kann man wohl sagen: zum Ueberlaufen voll, ein ziemlich reichlicher Wasserstand!«
»Scheint hier eine starke Strömung zu sein.«
»Stark ist zu wenig gesagt; sie ist stärker als ein Mühlstrom.«
»Ist die Strömung näher am Ufer nicht geringer, als hier in der Mitte?«
»Ja, ich denke wohl; aber man kann mit einem Dampfer nicht vorsichtig genug sein. Hier draußen ist's ziemlich sicher, können den Boden nicht berühren, darauf können Sie sich verlassen.«
Der Kapitän entfernte sich ziemlich mißmutig; wenn es so fortging konnte er am Ende an Altersschwäche sterben, ehe sein Dampfer nach St. Louis kam. Als er am nächsten Tag wieder auf Deck erschien, steuerte Stephen wieder getreulich mitten im Strom hinauf und kämpfte gegen die ganze, gewaltige Kraft des Mississippi an, wobei er in seiner ruhigen Weise eine Melodie pfiff. Die Sache wurde ernst. Drüben am Ufer dampfte ein langsameres Boot lustig im stillen Wasser dahin und gewann immer mehr Vorsprung. Es begann auf eine Inseldurchfahrt zuzusteuern, während Stephen sich mitten im Strom hielt. Da entrang sich dem Kapitän die gepreßte Frage:
»Herr W. – –, schneidet jener Arm nicht eine hübsche Strecke Weges ab?«
»Ich glaube wohl, weiß es aber nicht.«
»Sie wissen es nicht? Ist denn jetzt nicht Wasser genug darin zum Durchfahren?«