»Lege die Schaufel weg! Verflixtester Dummkopf, den ich je sah – hat nicht 'mal Grütze genug, einen Ofen zu füllen.«
Und so ging es vier Stunden lang, bis zum Ende der Wache, weiter – ja, und die folgenden Wachen, eine Reihe von Monaten hindurch, glichen sehr dieser ersten. Wie ich schon gesagt habe, kam es bald dahin, daß ich stets mit Furcht die Wache antrat. Sobald ich in seiner Nähe war, konnte ich – selbst in der dunkelsten Nacht – fühlen, daß seine gelben Augen auf mir ruhten, und wußte, daß ihr Besitzer nur auf einen Vorwand wartete, um Gift auf mich auszuspeien. Zur Einleitung sagte er etwa:
»He! Nimm das Rad!«
Zwei Minuten später:
»Wo in aller Welt fährst du hin? Nieder mit dem Steuer! Nieder mit dem Steuer!«
Nach einer weitern Minute:
»Nun! Willst du denn den ganzen Tag das Rad so festhalten? Laß es fliegen. – Stütz' es! Stütz' es!« Dann sprang er von der Bank herab, riß mir das Rad aus der Hand und stetigte den Lauf des Bootes selbst, fortwährend seinen Zorn über mich ausschüttend.
George Ritchie war der Lehrling des andern Lotsen. Er hatte jetzt gute Tage, denn sein ›Baas‹, George Ealer, war ebenso gutherzig, wie Brown boshaft war. Ritchie hatte in der Saison vorher für Brown gesteuert; folglich wußte er genau, wie er zu gleicher Zeit sich belustigen und mich quälen konnte. So oft ich auf Ealers Wache für einen Augenblick das Rad ergriff, setzte sich Ritchie auf die Bank und spielte Brown, indem er mich fortwährend mit Ausrufen quälte, wie: »Fang es! Fang es! Verflixtester Gelbschnabel, den ich je sah!« »He! Wo willst du denn jetzt hin? Willst du jenen Baumstamm überrennen?« »Nieder mit dem Ruder! Hörst du nicht? Nieder mit dem Ruder!« »Da geht's hin! Just wie ich's erwartete. Ich sagte dir doch, du solltest nicht dem Riff so nahe kommen! Weg vom Rad!«
Und so hatte ich stets eine böse Zeit, gleichviel wer auf Wache war! und manchmal schienen mir Ritchies gutmütige Neckereien fast ebenso unerträglich wie Browns bitterernste Quälereien.
Ich hätte zuweilen Brown vor Ärger umbringen mögen; aber das ging nicht an. Ein Lehrling mußte alles hinnehmen, was sein ›Baas‹ ihm an kräftigen Bemerkungen und Kritiken bot; und wir glaubten bestimmt, es gebe ein Gesetz, das eine schwere Strafe über jeden verhänge, der einen Lotsen im Dienst schlage oder bedrohe. Doch konnte ich mir ja einbilden, daß ich Brown tötete, dagegen gab es kein Gesetz; und das that ich denn auch immer, wenn ich im Bett war. Statt in Gedanken mich mit dem Strom zu beschäftigen, wie es meine Pflicht war, warf ich des Vergnügens wegen das Geschäft beiseite und tötete Brown. Monatelang tötete ich Brown allnächtlich; nicht auf alte, abgedroschene Weise, sondern auf neue und malerische – auf Weisen, die zuweilen wegen der Frische des Plans und der Schauerlichkeit der Lage und Umgebung überraschend waren.