Da wir in dem rasenden Sturm nicht draußen bleiben konnten, gingen wir wieder hinein und schlossen die Thüre. Unser Leid begann von neuem und wir lösten uns abwechselnd an dem Fenster ab. Später, als wir von einer Station abfuhren, wo der Zug einige Minuten gehalten hatte, kam Thompson triumphierend herein und rief:

»So, jetzt ist’s gut! Diesmal kriegen wir Se. Excellenz unter. Da hab’ ich einen Stoff, vor dem er gewiß die Waffen streckt.«

Es war eine Flasche voll Karbolsäure. Er spritzte davon überall umher, ja er tränkte buchstäblich alles damit – Kiste, Käse und alles andere. Dann setzten wir uns nieder – ziemlich zuversichtlich; aber unser Hoffen währte nicht lange. Statt sich zu bekämpfen und zu paralysieren, vermischten sich die beiden Gerüche friedlich und stanken unisono um die Wette. Wir griffen bald nach der Thüre, und draußen sagte Thompson ziemlich kleinlaut:

»Es hilft nichts; wir können nicht gegen ihn ankommen. Hören Sie, Freund, es ist jetzt hundertmal schlimmer drinnen als anfangs. Hab’ nie erlebt, daß einer so verdammt forsch ins Zeug geht – wahrhaftig nicht, Herr, seit ich diese Strecke befahre; und ich habe doch manchen von ihnen mitgenommen, wie ich Ihnen schon sagte.«

Wir gingen wieder hinein, nachdem wir tüchtig durchgefroren waren, aber es war drinnen kaum zum aushalten. Es blieb uns nichts übrig, als abwechselnd hinaus und hinein zu gehen; eine Abwechslung zwischen Erfrieren und Auftauen. Nach einer Stunde etwa hielten wir an einer andern Station; beim Abfahren kam Thompson mit einem Bündel herein und sagte:

»Ich will’s nochmals mit ihm versuchen – nur dieses eine Mal noch; wenn wir ihm diesmal nicht beikommen, so bleibt nichts übrig, als die Karten wegzuwerfen und das Spiel aufzugeben. Das ist meine Meinung.«

Er hatte ein paar Handvoll Hühnerfedern, gedörrte Aepfel, Blättertabak, Kleiderfetzen, alte Schuhe, Schwefel, Asa foetida und noch einiges andere mitgebracht; häufte alles auf einem Eisenblech in der Mitte des Wagens auf und zündete es an. Das Vorausgegangene war reinste Poesie gegen diesen Geruch, – ich dachte, davor müsse selbst eine Leiche die Segel streichen, aber fehlgeschlagen! Der ursprüngliche Geruch stieg empor, gerade so triumphierend wie zuvor – ja diese andern Gerüche schienen ihm nur eine feste Basis zu verleihen. Ich stellte diese Betrachtung nicht drinnen an – dazu war ja keine Zeit gewesen, – sondern draußen auf der Plattform. Auf der Flucht nach der Plattform war Thompson betäubt hingefallen, und bis ich ihn am Rockkragen hinausgeschleppt hatte, war ich selbst halbtot. Als wir wieder zu uns kamen, sagte Thompson verzagt:

»Wir müssen hier außen bleiben, Freund, das müssen wir unbedingt. Es geht nicht anders. Der Alte will einmal allein reisen – seine Mittel erlauben ihm das!«

Und sogleich fügte er hinzu: