So ging es zu. Ein alter Geizhals wie Higbie konnte dem Zauber der Aufregung über den geheimnisvollen Zementunsinn gerade so wenig widerstehen, als er sich des Essens hätte enthalten können, wäre er am Verhungern gewesen.
Monatelang hatte Higbie von dem wunderbaren Zement geträumt und so war er jetzt gegen seine bessere Einsicht fortgegangen und hatte es darauf ankommen lassen, daß ich für die Sicherheit des Besitzes einer Grube sorge, die eine Million unentdeckter Zementadern aufwog. Man hatte die beiden diesmal nicht verfolgt. Neun Tage lang konnten sie ungestört in den Bergschluchten suchen, ohne daß sie die Ader gefunden hätten. Da überfiel ihn auf einmal eine entsetzliche Angst, es möchte irgend etwas dazwischen gekommen sein, wodurch die zur Sicherheit unseres Besitzrechts an dem blinden Gange erforderliche Arbeit verhindert würde, und sofort machte er sich eiligst auf den Heimweg. Er hätte Esmeralda zu rechter Zeit erreicht, wäre ihm nicht unterwegs sein Pferd zusammengebrochen, so daß er einen großen Teil der Strecke zu Fuß zurücklegen mußte. So geschah es, daß wir zu gleicher Zeit von verschiedenen Enden her in die Stadt kamen. Er war indes energischer als ich, denn er ging schnurstracks nach dem ›Weiten Westen‹, anstatt gleich mir vom Wege abzuschweifen, und trotzdem traf er fünf oder zehn Minuten zu spät dort ein. Die ›Bekanntmachung‹ war bereits angeschlagen, die ›Wiederbelegung unanfechtbar vollzogen‹ und die Menge zerstreute sich rasch. Noch bevor er den Platz verließ, erhielt er einige weitere Mitteilungen. Der Faktor war seit der Nacht, wo wir die Grube belegt hatten, nirgends in der Stadt zu sehen gewesen; wie es hieß, war er in einer Sache, bei der sich’s um Leben und Tod handelte, telegraphisch nach Kalifornien berufen worden. Jedenfalls hatte er keine Arbeit gethan, und die wachsamen Augen der Gemeinde hatten hievon Notiz genommen. Um Mitternacht jenes schmerzenreichen Tages wurde daher unsere Erzader ›belegbar‹ und bereits um elf Uhr stand der Berg schwarz von Leuten, die bereit waren, die Wiederbelegung vorzunehmen. Das war die Menschenmenge, die ich gesehen, als ich mir – Dummkopf, der ich war! – eingebildet hatte, man habe einen neuen reichen Gang aufgeschlossen. Als Mitternacht verkündet wurde, schlugen vierzehn Mann, gehörig bewaffnet und bereit, ihr Verfahren zu verteidigen, ihre Bekanntmachung an und verkündeten ihr Besitzrecht an dem blinden Gange unter dem neuen Grubennamen Johnson. Aber der Faktor, unser Geschäftsteilhaber, erschien nun auf einmal mit gespanntem Revolver und erklärte, wenn sein Name nicht mit in die Liste aufgenommen werde, würde er die Gesellschaft Johnson ›ein wenig lichten‹. Er war ein mannhafter, kräftiger, entschlossener Bursche, von dem man wußte, daß er hielt, was er sagte, und so kam es zu einem Vergleich. Sie schrieben ihm hundert Fuß gut, während sie sich selbst die üblichen zweihundert vorbehielten.
Zufolge der aufregenden Nachricht von einem neuen Erzfunde wandten Higbie und ich am nächsten Morgen der Stadt den Rücken, froh, den Schauplatz unserer Leiden verlassen zu können. Nach einem oder zwei Monaten voll harter Arbeit und Enttäuschung kamen wir noch einmal nach Esmeralda zurück. Da hörten wir, daß die Gesellschaft vom ›Weiten Westen‹ und die Johnsonsche sich zusammengethan hatten, so daß das auf diese Art vereinigte Vermögen fünftausend Fuß oder Kuxe betrug, und daß der Faktor aus Furcht vor einem möglichen langwierigen Rechtsstreit und im Hinblick auf die Schwierigkeiten eines so gewaltigen Besitzes seine hundert Fuß für neunzigtausend Dollars in Gold verkauft und sich in den Osten heimbegeben hatte, um des Geldes froh zu werden. Wenn die Aktien jetzt, da die Gesellschaft fünftausend Anteile zählte, solchen Wert hatten, so schwindelte es mir bei dem Gedanken, was sie wert gewesen sein würden, als es nur unsere ursprünglichen sechshundert waren. Es war derselbe Unterschied wie zwischen einem Haus, das sechshundert, und einem solchen, das fünftausend Menschen gehört. Wir würden Millionäre gewesen sein, hätten wir einen einzigen kurzen Tag mit Hacke und Spaten auf unserem Eigentum gearbeitet und uns so den Besitztitel gesichert! –
Vor einem Jahre erhielt ich von meinem geschätzten und in jeder Weise schätzenswerten einstigen Mitmillionär Higbie aus einem obskuren kleinen Bergmannslager in Kalifornien die Nachricht, er sei nach neun oder zehn Jahren voll Schicksalsschlägen und mühseligen Ringens endlich so weit, um über fünfundzwanzighundert Dollars verfügen zu können und gedenke, nun einen bescheidenen Obsthandel anzufangen. Wie würde ihn ein solcher Gedanke beleidigt haben zur Zeit, da wir in unserer Hütte Pläne zu Europareisen und zu Häusern von braunem Sandstein auf dem Russenhügel schmiedeten!