Wir hatten einen wundervollen Sonnenuntergang. Die weite Oberfläche des Meeres teilte sich in Farbenstreifen, welche scharf von einander abstachen. Einige Strecken waren dunkelblau, andere purpurrot oder von glänzender Bronzefarbe; über die wellenförmige Bergkette breiteten sich die zartesten braunen, grünen, blauen und roten Schattierungen; manche der runden schwarzen Kuppen sahen so sammetweich aus wie ein glänzender Katzenbuckel; man bekam ordentlich Lust sie zu streicheln.

Das allmählich abfallende Vorgebirge, das im Westen weit ins Meer hinausragte, hatte zuerst ein bleifarbenes, gespenstisches Aussehen, dann wurde es von einem roten Hauch übergossen, es zerfloß sozusagen in ein rosenfarbenes Traumgebilde und schien nicht der Wirklichkeit anzugehören. Urplötzlich aber sah man diesen Wolkenfels in eine wahre Feuersglut getaucht, die sich in den Wellen widerspiegelte; es war ein Anblick, bei dem man hätte trunken werden können vor Entzücken.

Zufolge meiner Gespräche mit den Passagieren, die in Honolulu zu Hause waren, und mit Hilfe einer Skizze von Frau Mary Krout, war ich imstande, das heutige Honolulu mit dem damaligen zu vergleichen. Zu meiner Zeit war es ein schönes Städtchen, das aus schneeweißen, hölzernen Landhäusern bestand, die über und über mit tropischen Schlingpflanzen bedeckt und rings von Blumen, Bäumen und Sträuchern umgeben waren; Straßen und Wege, auf Korallengrund erbaut, waren steinhart, glatt und eben und so weiß wie die Häuser selbst. Schon der äußere Anblick verriet einen zwar bescheidenen aber behaglichen Wohlstand, der sich – das ist nicht zu viel gesagt – auf alle Bewohner erstreckte. Kostbare Häuser, Möbel und Zierate gab es nicht. In den Schlafzimmern brannte man Talglichter und im Salon eine Tranlampe. Matten aus einheimischem Fabrikat dienten statt der Teppiche, zwei oder drei Lithographien schmückten die Wände; meist waren es Bilder von Kamehameha IV., Ludwig Kossuth, Jenny Lind, oder auch ein paar Kupferstiche, z. B. Rebekka am Brunnen, Moses schlägt Wasser aus dem Felsen, Josephs Diener finden den Becher in Benjamins Sack u. dgl. Auf dem Mitteltisch lagen Bücher friedlichen Inhalts, wie: ›Menschenpflichten‹, Baxters ›Ruhe der Heiligen‹, ›Die Märtyrer‹ von Fox und Tuppers ›Philosophie in Sprichwörtern‹; auch der ›Missionsherold‹ und Pater Damons ›Freund des Seemanns‹ in gebundenen Exemplaren.

Der Notenständer neben dem Harmonium enthielt gefühlvolle Liebeslieder, wie: ›Willie, wo weilst du nur?‹ ›Lieblicher Abendstern‹, ›Wandle doch, Silbermond‹, ›Sind wir jetzt beinah dort?‹ und ähnliches, nebst einer Sammlung ausgewählter Hymnen. Auch ein Nipptischchen war vorhanden mit halb kugelförmigen gläsernen Briefbeschwerern, in denen Miniaturbilder von Schiffen, Seestürmen mit Staffage und dergleichen zu sehen waren; ferner Seemuscheln mit Bibeltexten in erhabener Arbeit, Walfischbarten, in die aufgetakelten Schiffe eingeschnitten waren und allerlei einheimische Seltenheiten. Erzeugnisse fremder Weltteile fehlten ganz, denn niemand war auf Reisen gewesen. Man machte wohl Ausflüge nach San Francisco, aber die wurden nicht mitgerechnet; im allgemeinen blieb man ruhig im Lande.

Seitdem ist Honolulu jedoch reich geworden, dadurch hat sich vieles geändert und die alte Einfachheit ist zum Teil verschwunden. Frau Krout beschreibt die moderne Wohnung wie folgt:

»Fast jedes Haus liegt inmitten ausgedehnter Rasenplätze und Gartenanlagen, die mit einer Mauer aus vulkanischem Gestein oder dichten Hecken von glänzendem Hibiskus umgeben sind.

»Im Innern sind die Häuser aufs geschmackvollste und behaglichste eingerichtet; der Fußboden aus hartem Holz ist mit Teppichen oder feinen indischen Matten belegt, die Möbel, wie man es in warmen Ländern liebt, aus Rotang oder Bambusrohr gefertigt. Auch das gewöhnliche Beiwerk von Raritäten, Büchern und Kuriositäten aus allen Teilen der Welt ist vorhanden und dient zum Schmuck sämtlicher Räume, denn die Bewohner der Sandwichinseln sind unermüdliche Reisende.

»Die meisten Häuser besitzen ein sogenanntes ›Lanai‹. Das ist ein großes, an drei Seiten offenes Gemach, von dem eine Tür oder ein gewölbter, mit Draperien geschmückter Eingang in das Empfangszimmer führt. Häufig wölben sich die verschlungenen Zweige des Stechpalmbaumes darüber zu einem dichten Dach, das weder die Sonne hindurchläßt noch den Regen, außer bei sehr heftigen Gewittern. An den Seiten werden Schlingpflanzen gezogen – Stephanotis oder irgend eine andere der zahllosen wohlriechenden und blühenden Arten, welche auf den Inseln wuchern. Gegen Sonne und Regen kann man sich auch durch herabzulassende Matten schützen.

»Der Fußboden ist meist, der Kühle wegen, ganz unbedeckt oder nur zum Teil mit Teppichen belegt; auch enthält das ›Lanai‹ bequeme Stühle und Sofas, und auf den Tischen prangen wundervolle Farnkräuter in Töpfen oder die schönsten Blumensträuße.

»Das ›Lanai‹ ist das beliebteste Gesellschaftszimmer; hier wird Musik gemacht, man reicht Eis und Kuchen herum, nimmt Morgenbesuche an und versammelt sich zum gemeinschaftlichen Ausritt, die Damen in hübschen geteilten Röcken, die sie der Bequemlichkeit wegen tragen, denn hier reiten alle auf die gleiche Weise, Europäer und Amerikaner beiderlei Geschlechts sowohl wie die Eingeborenen.