»Meine Nachricht ist zehn Tage alt.«

»Das klingt ja nach Münchhausen. Wo stammt sie denn her?«

»Aus dem Bauch eines Haifisches.«

»Da hört denn doch alles auf! Soll ich die Polizei rufen – mein Schießgewehr holen – die ganze Stadt in Aufruhr bringen? Sie reden im Wahnsinn; alle Irrenhäuser der Welt müssen in Ihrer Person – –«

»Setzen Sie sich und nehmen Sie Vernunft an. Wozu solche Aufregung? Warten Sie doch erst, ob ich meine Behauptung beweisen kann, ehe Sie mich einen Narren schelten.«

»O, ich bitte tausendmal um Entschuldigung; im Grunde ist es ja gar keines Aufhebens wert, wenn man einen Haifisch nach England schickt, um den Marktbericht zu holen – – – was schreiben Sie denn da?«

»Ich bin gleich fertig; nur ein paar Zeilen; meine Aussage in betreff des Haifisches nebst einigen andern Dingen. So, nun setzen Sie Ihren Namen darunter.«

»Lassen Sie doch sehen – Sie behaupten – wahrhaftig, das ist interessant. Wenn Sie mir die Beweise liefern, sollen Sie das Geld haben, meinetwegen die doppelte Summe, und wir teilen den Gewinn. Wo ist denn die Nummer der zehn Tage alten Londoner ›Times‹? Zeigen Sie mir doch das Blatt!«

»Da, sehen Sie her – auch diese Knöpfe und das Tagebuch haben dem Manne gehört, den der Haifisch verschlungen hat. Wahrscheinlich trug sich das Unglück in der Themse zu, denn die letzte Notiz hier ist aus London, vom selben Datum wie die Nummer der ›Times‹ – da steht’s: ›Der Krieg ist erklärt! Ich reise noch heute nach Deutschland ab, um mein Leben auf dem Altar des Vaterlandes niederzulegen‹. Das heißt, der brave Mensch wollte in den Kampf ziehen, aber er kam nicht weit; ehe der Tag zu Ende war, verschlang ihn der Haifisch.«

»Schade um ihn. Aber wir wollen den Mann ein andermal beklagen; jetzt haben wir dringendere Geschäfte. Ich will gleich unter der Hand alles in Bewegung setzen und die Wolle kaufen. Das wird die niedergeschlagenen Gemüter unserer Händler einstweilen wieder aufrichten. Freilich nur vorübergehend, aber nichts ist ja von Dauer in dieser Welt. Wenn sie nach sechzig Tagen die Ware abliefern müssen, werden sie nicht wissen, wie ihnen geschieht und meinen, der Blitz hätte sie getroffen. Aber, das läßt sich nicht ändern, und wir haben dann noch immer Zeit, mit ihnen zu trauern. Kommen Sie nur jetzt zu meinem Schneider. Wie war doch schon Ihr Name?«