Das Land hatte gerade wieder einen großen Glücksfall zu verzeichnen, der alles in Aufregung brachte. Die Vorsehung wollte jetzt ihr liebevolles Interesse für die benachbarte Kolonie – Westaustralien – an den Tag legen und vor aller Welt bezeugen, daß sie wegen ihrer hohen Tugend und Gerechtigkeit einen besonderen Beweis göttlicher Gnade verdiene. Deshalb war in dieser Provinz kürzlich die goldene Schatzkammer von Coolgardie eröffnet worden; aber Südaustralien kam auch diesmal herbeigeschlichen und eignete sich mit Lob und Dank den riesigen Goldschatz an. Wer brav ist und geduldig wartet, dem fällt alles in den Schoß; er kann sogar die Pläne der Vorsehung durchkreuzen.
Südaustralien besitzt jedoch auch eigene hohe Verdienste; es gewährt zum Beispiel jedem Fremden, der dort Zuflucht sucht, die gastlichste Aufnahme – ihm und seiner Religion. Nach der letzten Volkszählung hat es zwar nur 320 000 Einwohner, die Verschiedenartigkeit ihrer Religionen läßt jedoch darauf schließen, daß sich Leute von allen Orten und Enden des Erdballs darunter befinden. Das Verzeichnis aller dieser Religionen macht einen höchst merkwürdigen Eindruck; man würde Mühe haben irgendwo ein ähnliches aufzutreiben. Ich will eine Abschrift davon aus der amtlichen Liste hierhersetzen:
| Englische Staatskirche | 89 271 |
| Römische Katholiken | 47 179 |
| Wesleyaner | 49 159 |
| Lutheraner | 23 328 |
| Presbyterianer | 18 206 |
| Independenten | 11 882 |
| Bibel-Christen | 15 762 |
| Aeltere Methodisten | 11 654 |
| Baptisten | 17 547 |
| Christliche Brüder | 465 |
| Jüngere Methodisten | 39 |
| Unitarier | 688 |
| Kirche Christi | 3367 |
| Gesellschaft der Freunde | 100 |
| Heilsarmee | 4356 |
| Kirche des neuen Jerusalem | 168 |
| Juden | 840 |
| Protestanten | 5532 |
| Mohammedaner | 299 |
| Anhänger des Konfucius etc. | 3884 |
| Andere Religionen | 1719 |
| Konfessionslos | 6940 |
| Nicht angegeben | 8046 |
| 320 431 |
Unter der Bezeichnung ›Andere Religionen‹, sind nach dem amtlichen Bericht folgende zu verstehen:
| Agnostiker | 50 |
| Atheisten | 22 |
| Christgläubige | 4 |
| Buddhisten | 52 |
| Calvinisten | 45 |
| Christadelphianer | 136 |
| Christen | 308 |
| Christkapelle | 9 |
| Christliches Israel | 2 |
| Christlich Soziale | 6 |
| Gotteskirche | 6 |
| Kosmopoliten | 3 |
| Deisten | 14 |
| Evangelisten | 60 |
| Exklusive Brüder | 8 |
| Freie Kirche | 21 |
| Freie Methodisten | 5 |
| Evangelische Gemeinde | 11 |
| Griechische Kirche | 44 |
| Hugenotten | 2 |
| Hussiten | 1 |
| Ungläubige | 9 |
| Maroniten | 2 |
| Mennoniten | 1 |
| Mährische Brüder | 139 |
| Mormonen | 4 |
| Naturalisten | 2 |
| Orthodoxe | 4 |
| Unbestimmt | 17 |
| Heiden | 20 |
| Pantheisten | 3 |
| Plymouth-Brüder | 111 |
| Rationalisten | 4 |
| Reformierte | 7 |
| Freidenker | 258 |
| Anhänger Jesu | 8 |
| Shaker | 1 |
| Sintoisten | 24 |
| Spiritisten | 37 |
| Theosophisten | 9 |
| Sekularisten | 12 |
| Adventisten | 203 |
| Gesellschaft f. inn. Mission | 16 |
| Walliser Kirche | 27 |
| Anhänger des Zoroaster | 2 |
| Zwinglianer | 1 |
Man sieht daraus wie gesund die dortige Atmosphäre für die Religionen ist. Alle kommen darin fort: Agnostiker, Atheisten, Freidenker, Ungläubige, Mormonen, Heiden, unbestimmte Bekenntnisse. Und die großen Sekten der Welt fristen dort nicht nur ihr Dasein, sondern blühen, gedeihen und breiten sich aus – alle, außer den Spiritisten und Theosophisten. Das ist noch die wunderbarste Seite dieser merkwürdigen Tabelle. Warum spielen die Geister wohl eine so kleine Rolle? Weshalb verschwinden sie hier fast ganz vom Schauplatz, während man sich doch aus dem Verkehr mit ihnen in der ganzen übrigen Welt einen willkommenen Zeitvertreib macht? –
Zwanzigstes Kapitel.
Der Mensch tut viel, um geliebt zu werden; um beneidet zu werden, tut er alles.
Querkopf Wilsons Kalender.
Der botanische Garten von Adelaide ist ein wahres Eden; bei uns zu Lande wäre aber eine so paradiesische Schöpfung einfach ein Ding der Unmöglichkeit. Wenn wir auch ein viele Morgen großes Glashaus mit Dampfheizung bauen wollten, so bliebe das doch immer nur ein Notbehelf, denn die schwüle Hitze, die enge, dumpfe Luft, die uns zu ersticken droht, würden wir doch nicht los. In Australien dagegen lacht die helle Sonne vom blauen Himmel, uns umfächelt ein köstlicher Windhauch, und wir können alles, was bei uns im Treibhaus wächst, üppig im Freien wuchern sehen. Als der erste weiße Ansiedler in das Land kam, war es an Pflanzenarten fast so arm wie die Wüste Sahara; jetzt findet man dort und in Ozeanien alles was die Erde trägt. Mit wie gutem Erfolg Australien seinen Tribut von der Flora der ganzen übrigen Welt eingesammelt hat, erkennt man allenthalben, wohin man blickt, in Feld, Garten und Wald, sowie in dem üppigen Grün, das die Landstraßen umsäumt. Bei jedem auffallend schönen und merkwürdigen Baum, Busch oder sonstigen Gewächs, nach dem man fragt, erhält man sicherlich zur Antwort, daß es aus irgend einem fremden Lande – Indien, Afrika, Japan, China, England, Amerika, Java, Sumatra, Neu Guinea, Polynesien oder anderswoher stammt.