1. Der Gouverneur wünscht, daß Schwarze und Weiße einander lieben sollen.
2. Er liebt seine farbigen Untertanen.
3. Wenn ein Schwarzer einen Weißen tötet, wird er gehängt.
4. Wenn ein Weißer einen Schwarzen tötet, wird er gehängt.
Die Ausführung ihrer mancherlei Pläne kostete der Regierung etwa 30 000 Pfund; mehrere Tausend Weiße strengten jahrelang alle Kraft und allen Scharfsinn an, um den gewünschten Zweck zu erreichen – aber, es war ein erfolgloses Bemühen. Endlich, nachdem die Feindseligkeiten zwischen beiden Rassen ein Vierteljahrhundert gedauert hatten, wurde der rechte Mann gefunden. Dies war Georg August Robinson, den die Geschichte ›den Versöhner‹ nennt. Er war zwar weder ein gebildeter noch ein angesehener Mann, sondern lebte als gewöhnlicher Maurer in der Stadt Hobart, doch muß er eine ganz wunderbare Persönlichkeit gewesen sein. Ich wäre gern weit gereist, um ihn einmal zu Gesicht zu bekommen, denn mag es auch irgendwo seinesgleichen in der Weltgeschichte gegeben haben, so ist mir doch davon nichts bekannt.
Die Aufgabe, die er sich stellte, war ein unerhörtes Wagestück. Er wollte in die Wildnis hinausgehen, wo sich die zu Tode gehetzten Eingeborenen, die kein Erbarmen kannten, in Sümpfen und Bergschluchten versteckten; unbewaffnet wollte er unter sie treten und sie durch Liebe und Güte bewegen, das wilde freie Leben in der Heimat, das ihrem Herzen so teuer war, aufzugeben und ihm zu den verhaßten Weißen zu folgen. Unter ihrem Schutz und Schirm und von ihren Wohltaten lebend, sollten die Eingeborenen dann den Rest ihres Daseins verbringen.
Auf den ersten Blick glaubte man es mit dem Hirngespinst eines Wahnsinnigen zu tun zu haben; alle Welt lachte und spottete darüber. Zwanzig Jahre früher hätte auch die Regierung gelacht, aber jetzt lieh sie dem Plan ihr Ohr; alle vernünftigen Maßregeln waren umsonst erschöpft worden, weshalb sollte man es nicht einmal mit einer unvernünftigen versuchen? Es konnte viel Gutes daraus entstehen und nichts Schlimmes – außer für den ›Versöhner‹ selbst.
Die Lage der Dinge war einzig in ihrer Art, etwas Aehnliches hatte die Welt noch nicht erlebt. Die weiße Bevölkerung belief sich im Jahre 1831 auf vierzigtausend, die Zahl der Eingeborenen betrug dreihundert, Weiber und Kinder mit eingeschlossen. Die Weißen waren mit Flinten bewaffnet, die Schwarzen mit Keule und Speer. So hatten sie einander seit fünfundzwanzig Jahren befehdet, ohne daß die Weißen den Sieg davontrugen, obwohl sie kein Mittel unversucht ließen, um die Eingeborenen zu fangen, zu töten und zur Unterwerfung zu zwingen. Die dreihundert unüberwindlichen Wilden wollten nicht nachgeben, keine Bedingungen annehmen und sich bis zum letzten Blutstropfen verteidigen. Dabei war nicht einmal ein Dichter unter ihnen, der ihren Heldenmut neu entfachen und ihre beispiellose Vaterlandsliebe in feurigen Gesängen preisen konnte!
Nach einem Vierteljahrhundert erbitterten Kampfes trotzten die überlebenden dreihundert nackten Wilden dem Gouverneur und seinen 40 000 noch ungebrochenen Mutes. Man wußte sich weder Rat noch Hilfe.
Da ging der Maurer Robinson – jener Wundermann – in die Wildnis hinaus, ohne Waffen und ohne Schutz, nur der Macht seiner Rede, seiner treuen Augen und seines menschenfreundlichen Herzens vertrauend. Er spürte die grimmigen Wilden in ihren Schlupfwinkeln auf, folgte ihnen in die dunkeln Wälder und auf die beschneiten Berggipfel und bezwang sie durch die Menschenliebe, die in ihm wohnte und mit überzeugender Gewalt aus seinem Wort und Wesen sprach. Vier Jahre lang ging er geduldig jeder einzelnen Gruppe der Schwarzen nach über Berg und Tal, viele hundert Meilen weit. Kam er zuerst in ihre Nähe, so stürmten sie auf ihn zu, um ihn zu töten, aber er wich und wankte nie, unbewaffnet stand er vor ihnen und zwang sie ihn anzuhören. Aber alle, die seine Rede vernahmen, warfen ihre Speere weg und zogen mit ihm.