3. Daß er nicht unter nichtigem Vorwand die Reichen getötet und ihr Vermögen eingezogen habe.
4. Daß er die Angehörigen des Königshauses nicht getötet, geblendet, eingekerkert oder verbannt habe, um seinen Thron gegen Verschwörungen zu sichern.
5. Daß er sich nicht habe bestechen lassen, irgend einen seiner Untertanen heimlich den Banden berufsmäßiger Thugs zu überliefern, damit sie ihn im Hinterhof des Fürstenschlosses nach Belieben ermorden und ausplündern konnten.
Das waren die gebräuchlichsten Maßregeln der Fürsten in alter Zeit; aber diese sowohl wie einige andere, nicht minder harte, sind unter der englischen Herrschaft schon längst abgeschafft worden. Bessere Mittel und Zwecke sind seitdem an ihre Stelle getreten, wie uns die Glückwunschadresse der Dschaina sofort beweisen wird. Dieselbe lautete:
»Allergnädigster Fürst! – Wir, die unterzeichneten Mitglieder der Dschaina-Gemeinde von Bombay, nähern uns Eurer Hoheit mit aufrichtiger Freude, um wegen der kürzlich erfolgten Ernennung Eurer Hoheit zum Ritter des erhabenen Sternordens von Indien, unsere herzlichsten Glückwünsche darzubringen. Vor zehn Jahren durften wir Eure Hoheit unter Umständen in dieser Stadt willkommen heißen, welche in der Geschichte Ihrer Herrschaft eine denkwürdige Episode bezeichnen; denn ohne die Besonnenheit und Großmut, welche Eure Hoheit in den Verhandlungen zwischen dem Palitana Dunbar und der Dschain-Gemeinde an den Tag legten, hätte der versöhnliche Geist unseres Volkes keine Frucht tragen können. Das war der erste Schritt Eurer Hoheit bei Uebernahme der Verwaltung, durch welchen Sie sich nicht nur die dankbare Anerkennung der Dschain-Gemeinde, sondern auch der Regierung von Bombay gesichert haben. Nachdem nun Eure Hoheit zehn Jahre lang alle Erfahrung, Kraft und Fähigkeit in den Dienst der Verwaltung gestellt hat, ist Eurer Hoheit verdientermaßen die erhabene und ehrenvolle Auszeichnung der Ernennung zum Ritter des Sternordens zu teil geworden, den kein anderer Fürst vom Range Eurer Hoheit, soviel wir wissen, je zuvor erhalten hat. Wir können Eurer Hoheit die untertänige Versicherung geben, daß wir auf diese Ehrenbezeigung aus der Hand Ihrer Majestät, unserer gnädigsten Kaiserin und Königin, nicht weniger stolz sind als Eure Hoheit selbst. Wir verdanken Eurer Hoheit während dieser zehn Jahre die Einrichtung vieler Faktoreien, Schulen, Hospitäler und dergleichen im Staate, und wir hoffen, daß Eure Hoheit noch lange mit Weisheit und bewährter Umsicht über das Volk herrschen werde, um die vielen von Eurer Hoheit gütigst angebahnten Reformen auch künftig in Gnaden zu fördern. Indem wir nochmals unsere wärmsten Glückwünsche aussprechen, verharren wir als Eurer Hoheit untertänigste Diener.«
Faktoreien, Schulen, Hospitäler, Reformen! Das sind die Sachen, welche die Fürsten Indiens neuerdings unterstützen und wofür sie Orden und Kanonen erhalten!
Auf die Adresse antwortete der Fürst kurz und bündig, dann unterhielt er sich noch ein paar Augenblicke mit dem einen oder andern der Gäste auf Englisch und mit mehreren Beamten in einer indischen Sprache; zuletzt wurden, wie gewöhnlich, Kränze verteilt und die Festlichkeit war zu Ende.
Sechstes Kapitel.
Jeder Mensch hat ein Geburtsrecht auf etwas, das alle seine andern Besitztümer überdauert – es ist sein letzter Atemzug.
Querkopf Wilsons Kalender.