Seine Mutter billigte das Unternehmen und bot ihm ihre Hilfe an, allein das erschreckte ihn nur. Mit ängstlichem Stammeln brachte er endlich die Bitte vor, sie möge die Stadt verlassen. Er würde sich dann wohler und sicherer fühlen und den Kopf höher halten können. Zu seiner freudigen Ueberraschung unterbrach sie ihn, als er noch weitere Gründe anführen wollte, und erklärte sich mit diesem Vorschlag ganz einverstanden. Sie sagte, es wäre ihr einerlei, wo sie wohnte, wenn sie nur das Kostgeld regelmäßig ausgezahlt erhielte; doch werde sie nicht weit fortgehen, und einmal im Monat nach dem Gespensterhaus kommen, um ihr Geld in Empfang zu nehmen.

»Seit vielen langen Jahren hab’ ich dich verabscheut, aber jetzt hass’ ich dich nicht mehr so arg,« sagte sie. »Alles hatt’ ich für dich gethan – dich ausgetauscht, dir ’ne gute Familie und ’nen vornehmen Namen gegeben, dich zu ’nem reichen, weißen Herrn gemacht, der seine Kleider im Laden kauft – und was war mein Dank? – Verachtet hast du mich immerzu, mich vor den Leuten gescholten und geschmäht, mich fort und fort dran erinnert, daß ich ’ne Negerin bin – und – und – –«

Sie brach in Schluchzen aus und konnte nicht weiter reden.

»Aber,« sagte Tom, »ich wußte doch nicht, daß du meine Mutter bist, und übrigens – –«

»Sei nur still davon, man kann’s nicht mehr ändern, ich will’s vergessen. Doch, gieb acht, daß du mich nie mehr daran erinnerst,« fügte sie drohend hinzu, »sonst geht dir’s schlecht.«

Als sie sich trennten, sagte Tom noch im süßesten Ton, der ihm zu Gebote stand: »Mammy, hättest du vielleicht nichts dagegen, mir zu sagen, wer mein Vater war?«

Wenn er geglaubt hatte, die Frage würde sie in Verlegenheit setzen, so irrte er sich gewaltig. Roxy richtete sich stolz empor.

»Ich soll was dagegen haben?« erwiderte sie. »Nein, ganz und garnichts. Du brauchst dich deines Vaters nicht zu schämen, das sag’ ich dir. Er gehörte zu den vornehmsten Leuten der ganzen Stadt, zu den besten Familien von altvirginischer Herkunft. Das Geschlecht ist allerwege so gut wie die Driscolls und Howards.« Sie warf sich noch mehr in die Brust und fuhr mit Nachdruck fort: »Kannst du dich noch auf Oberst Cecil Burleigh Essex besinnen, der im selben Jahr starb, wie der Pappy von deinem jungen Herrn Tom Driscoll? Alle hohen Beamten, Freimaurer und Aeltesten der Kirchen kamen und folgten ihm zu Grabe; so ’ne schöne Leiche hat die Stadt noch nie zu sehen bekommen. – Das war der Mann.«

Sie sprach mit so hohem Selbstgefühl und war so begeistert von der Erinnerung, daß ihr ganzer Jugendreiz auf einmal zurückkehrte und ihre Haltung eine stattliche Würde annahm, die man fast königlich hätte nennen können, wäre die Umgebung nur ein wenig besser damit im Einklang gewesen.

»Kein anderer Neger hier am Ort ist so hochgeboren wie du. Nun geh’ deiner Wege und trag’ den Kopf so hoch wie du willst – du hast das Recht dazu, verlaß dich drauf.«