Eines Tages sagte er in etwas unsicherm, zögernden Tone:
»Würden Sie mir wohl den Gefallen thun, Trigo, einen Augenblick in meine Kajüte zu kommen, wegen einer gewissen Angelegenheit, die ich gern mit Ihnen besprechen wollte?«
Ich war sogleich bereit. Nachdem wir eingetreten waren, steckte er noch einmal den Kopf zur Thüre hinaus und blickte vorsichtig nach allen Seiten; dann drehte er den Schlüssel um und wir nahmen auf dem Sofa Platz.
»Ich möchte Ihnen einen kleinen Vorschlag machen,« sagte er, »wenn der Ihnen einleuchtet, könnten wir beide unsern Vorteil dabei finden. Zum Spaß gehen Sie doch nicht nach Kalifornien – und ich auch nicht. Wir wollen beide Geschäfte machen, nicht wahr? Nun könnten wir einander gegenseitig recht nützlich sein, wenn es Ihnen paßt. Sehen Sie, ich habe viele Jahre lang gespart und zusammengescharrt und habe hier alles bei mir.« Er öffnete einen alten Lederkoffer, wühlte in einem Haufen schäbiger Kleider umher und zog einen kleinen wohlgefüllten Beutel hervor, den er mich einen Augenblick sehen ließ, worauf er ihn wieder in der Tiefe des Koffers begrub und diesen zuschloß. »Die ganze Summe ist darin,« fuhr er in leisem Flüsterton fort – »runde zehntausend Dollars in Goldfüchsen. Ich habe nun so gedacht: Die Viehzucht verstehe ich so gut wie einer und in Kalifornien kann man Haufen Geld damit verdienen. Beim Landvermessen aber – das wissen wir beide – fallen bald rechts bald links auf der ganzen Linie kleine Dreiecke ab, die der Feldmesser gratis erhält. Alles, was Sie nun Ihrerseits zu thun haben, ist, die Sache so einzurichten, daß die Dreiecke auf gutes, fettes Weideland fallen. Dies überlassen Sie dann mir, ich bringe meine Herde hin, die Dollars fließen reichlich zu, ich berechne Ihren Anteil sofort, zahle ihn regelmäßig aus und – –«
Es that mir leid, ihn mitten in seinem begeisterten Redeschwall zu unterbrechen, allein es ließ sich nicht ändern.
»Das ist nicht die Art, wie ich mein Geschäft zu betreiben pflege,« sagte ich mit ernster Miene; »sprechen wir von etwas anderm, Herr Backus.«
Beschämt und verwirrt stammelte er Entschuldigungen; es ging mir ordentlich zu Herzen, seine peinliche Verlegenheit zu sehen, besonders da er keine Ahnung gehabt zu haben schien, daß man in seinem Vorschlag etwas Anstößiges finden könne. Um ihn über seinen Mißgriff zu trösten, wußte ich kein besseres Mittel, als ihm so rasch wie möglich den Genuß einer Unterhaltung über Rinderzucht und Viehhandel zu bereiten. Wir befanden uns gerade vor Acapulco und als wir auf Deck kamen, waren die Matrosen beschäftigt, einige Kühe mittelst Schlingen an Bord zu ziehen. Im Nu war Backus’ schwermütige Stimmung verflossen, samt der Erinnerung an seinen mißlungenen Schachzug.
»Nein, sehen Sie nur das an!« rief er. »Du meine Güte, Trigo, was würden wir dazu in Ohio sagen! Wie würden unsere Leute die Augen aufsperren, wenn sie die Art von Behandlung sähen – es ist kaum zu glauben.«
Sämtliche Passagiere ergötzten sich an der Schaustellung; sogar die Spieler waren zugegen. Backus kannte sie alle und hatte schon jeden mit seinem Lieblingsthema gelangweilt. Im Weitergehen sah ich, wie einer der Spieler sich ihm näherte und ihn ansprach; diesem folgte der zweite und dann der dritte. Ich stand still, um zu sehen, was daraus werden würde; bald waren die vier Männer im eifrigen Gespräch, dann zog sich Backus allmählich von ihnen zurück, aber sie folgten ihm und wichen nicht von seiner Seite. Das war mir unbehaglich. Als sie jedoch gleich darauf an mir vorbeikamen, hörte ich, wie Backus in ärgerlichem, abweisendem Tone sagte:
»Sie machen sich ganz unnütze Mühe, meine Herren; ich kann Ihnen nur wiederholen, was ich Ihnen schon über ein Dutzendmal gesagt habe: ich bin das Ding nicht gewöhnt und will mich nicht darauf einlassen.«