»Eine jede Gefälligkeit, welche wir Ihnen erweisen können, sei hiermit Ihnen und Ihrem ausgezeichneten Freunde zugestanden. Wir stimmen der gewünschten Verlegung der Stunde um so lieber zu, als dieselbe ja mit dem unvermeidlichen Schlußergebnis des Zusammentreffens nichts zu thun hat.«
»Darf ich Sie bitten, den Dank meines Auftraggebers entgegenzunehmen?« Er wartete keine Antwort ab, sondern kehrte sich um und rief einem dicht hinter ihm stehenden Herrn zu: »Liebster Noir, haben Sie es gehört, die Zeit ist auf halb zehn festgesetzt – auf halb zehn!« Worauf Herr Noir sich mit ein paar gemurmelten Dankesworten verneigte und davonschoß. Mein Mitsekundant wendete sich wieder mir zu.
»Wenn es Ihnen genehm ist, können sich Ihre Hauptärzte und die unsrigen in einer und derselben Kutsche nach der Kampfstätte begeben. Eine alte Sitte will es so.«
»Auch ohne die alte Sitte würde mir das vollkommen passen. Es ist genug, daß die beiden Gegner einander als tödliche Feinde gegenüberstehen; warum sollte auch noch zwischen den nur indirekt Beteiligten ein Abgrund des Mordes aufgähnen? Aber wenn ich recht hörte, sprachen Sie von Hauptärzten auf beiden Seiten. Darf ich fragen, wie viele davon ich für uns zu besorgen habe? Werden zwei oder drei genügen?«
»Zwei für jede Partie ist die übliche Anzahl. Ich meinte jedoch damit nur die ›Hauptärzte‹. Was die bei der hohen Stellung der Duellanten unerläßlichen konsultierenden Aerzte anlangt, so wünsche ich Sie in betreff der Zahl derselben durchaus nicht zu beschränken, sondern möchte nur den Wunsch aussprechen, daß Sie aus den höchsten Zierden der Pariser Wissenschaft auswählen. Dieselben haben nicht in gemeinsamen Wagen zu fahren, sondern pflegen sich ihrer eigenen Equipagen zu bedienen. Und nun noch eine wichtige Frage – haben Sie bereits den Leichenwagen engagiert?«
»Der Himmel erleuchte meinen vergeßlichen Kopf!« rief ich beschämt aus. »Aber ich habe wahrhaftig nicht daran gedacht. Dafür soll es auch jetzt das Allernächste sein, was ich besorge. Sie müssen schon Nachsicht mit mir haben, und ich fürchte allen Ernstes, daß meine Unwissenheit und Vergeßlichkeit Ihnen bereits mehr als ein innerliches Lächeln entlockt hat. Versuchen Sie den Mantel christlicher Liebe und den Schild französischer Ritterlichkeit darüber zu decken. Es ist das erstemal, daß ich etwas mit dem hochzivilisierten Duell im Herzen der modernen Kultur zu thun habe. Ich habe reiche Duellerfahrungen an der pazifischen Küste, in Kalifornien und Nevada gesammelt, aber ich sehe erst jetzt, wie roh und primitiv die Menschen dort in der Erledigung ihrer Ehrenhändel sind. Ein Leichenwagen – pah! Wir waren gewohnt, die Toten, welche dort bei keinem Zweikampf ausbleiben, zerstreut, wie sie gefallen waren, liegen zu lassen und ihre Fortschaffung denen anheimzugeben, die gerade ein Interesse daran hatten. Haben Sie mich noch auf etwas aufmerksam zu machen?«
»Auf nichts; es sei denn, daß auch die beiden Haupttotengräber, wie die beiden Hauptärzte, in einem Wagen sich dem Zuge nach der Wahlstatt anzuschließen haben. Deren Gehilfen können gehen und die Prozession zu Fuß beschließen. Ich selbst werde Sie morgen um 8 Uhr abholen und mit Ihnen die Reihenfolge des Zuges anordnen. Bis dahin habe ich die Ehre, mich Ihnen zu empfehlen.«
Nachdem ich meine Geister, von welchen ich fühlte, daß sie mir mehr und mehr entschlüpften, ein wenig gesammelt hatte, stieg ich zu Herrn Gambetta empor. Er schien sich in den Gedanken an alle möglichen weiteren Zumutungen demütigender Natur ergeben zu haben und fragte nur: