»Es wurde schließlich entschieden, daß ein Echo ein Eigentumsobjekt sei; daß die beiden Prozessierenden getrennte und unabhängige Eigentümer der beiden Hügel, aber gemeinsame Inhaber des Echos seien: es stehe deshalb dem Beklagten vollkommen frei, seinen Hügel abzutragen, da er ihm allein gehöre, aber er müsse eine Kaution von drei Millionen Dollars stellen als Ersatz für den Schaden, den meines Onkels halber Anteil an dem Echo erleiden könnte. Im weiteren verbot das Urteil meinem Onkel, ohne die Erlaubnis des Gegners, dessen Hügel zur Weckung des Echos zu benützen; er dürfe dazu nur seines eigenen Hügels sich bedienen; könne er unter diesen Umständen seinen Zweck nicht erreichen, so sei das sehr bedauerlich, aber der Gerichtshof könne daran nichts ändern. In derselben Weise wurde der Gegner in Bezug auf diesen Punkt beschieden. Sie können sich denken, was nun geschah. Keiner von beiden wollte dem andern die Einwilligung zur Benützung seines Eigentums geben, und so mußte das berühmte und erhabene Echo auf seine Bethätigung verzichten; seit jenem Tage gleicht das wertvolle Besitztum einer verzauberten Prinzessin, die auf Erlösung harrt.

»Eine Woche vor meinem Hochzeitstage, während ich noch in einem Meer der Wonne schwamm und der hohe Adel von Fern und Nah zur Verherrlichung des Ereignisses sich versammelte, traf die Nachricht von dem Tode meines Onkels und zugleich die Abschrift seines Testaments, das mich zu seinem alleinigen Erben einsetzte, ein. Er war dahin – ach! mein teurer Wohlthäter war nicht mehr: der Gedanke daran belastet mein Herz noch heute, nach so langer Zeit. Ich händigte das Testament dem Grafen, meinem Schwiegervater, ein, da ich es meiner Thränen wegen nicht lesen konnte. Der Graf las es und sagte dann finster: ›Nennen Sie das Reichtum, Sir? Das kann man nur in Ihrem schwindelhaften Amerika. Sie sind nichts weiter als der alleinige Erbe einer umfangreichen Sammlung von Echos, wenn man das eine Sammlung nennen kann, was weit und breit über das ganze amerikanische Festland zerstreut ist. Und das ist nicht alles, Sir; Sie stecken bis über die Ohren in Schulden; nicht ein Echo unter der ganzen Partie, auf dem keine Hypothek ruhte. Ich bin nicht hartherzig, Sir, aber ich muß das Interesse meines Kindes wahren. Wenn Sie nur ein Echo hätten, das Sie mit Recht Ihr Eigentum nennen könnten, wenn Sie nur ein Echo hätten, das frei wäre von Lasten, so daß Sie sich mit meinem Kinde dorthin zurückziehen und es durch unverdrossenen Fleiß kultivieren und verbessern könnten, so würde ich nicht nein sagen; aber ich kann mein Kind an keinen Bettler verheiraten. Verlasse ihn, mein Liebling! Und Sie, Sir, nehmen Sie Ihre hypothekenbelasteten Echos und gehen Sie mir für immer aus den Augen.‹

»Meine edle Cölestine klammerte sich in Thränen, mit liebenden Armen an mich und schwor, sie wolle gerne, ja mit tausend Freuden die Meine werden, auch wenn ich nicht ein Echo in der Welt hätte. Aber es durfte nicht sein; wir wurden auseinander gerissen – sie, um innerhalb eines Jahres sich langsam zu Tode zu härmen – ich, um allein mich hinzuschleppen auf des Lebens langem, beschwerlichem Pfad, täglich, stündlich betend um die Erlösung, die uns wieder vereinen soll in einem himmlischen Reich. Und nun, mein Herr, wenn Sie so freundlich sein wollen, die Karten und Pläne in meiner Mappe anzusehen; ich kann Ihnen gewiß ein Echo billiger ablassen, als irgend jemand. Dieses hier zum Beispiel, welches meinen Onkel vor dreißig Jahren zehn Dollars kostete und eines der entzückendsten in Texas ist, will ich Ihnen für – –«

»Einen Augenblick, bitte!« sagte ich. »Mein Freund, ich habe heute vor lauter Hausierern noch keine Minute Ruhe gehabt. Ich habe eine Nähmaschine gekauft, die ich nicht brauchte; ich habe eine Landkarte gekauft, die voller Fehler ist; ich habe eine Uhr gekauft, die nicht gehen will; ich habe Mottengift gekauft, das die Motten jeder andern Nahrung vorziehen; ich habe eine endlose Menge nutzloser Erfindungen gekauft, und jetzt bin ich dieser Thorheit satt. Ich möchte keines von Ihren Echos auch nur geschenkt. Ich bin auf jeden wütend, der mir Echos zum Verkauf anbietet. Sehen Sie dieses Gewehr? Nun packen Sie Ihre Sammlung zusammen und sputen Sie sich; lassen Sie es nicht zum Blutvergießen kommen.«

Aber er lächelte nur – ein melancholisches, sanftes Lächeln – und zog weitere Pläne heraus. Sie kennen die Geschichte; hat man einmal einem Hausierer die Thür geöffnet, so zieht man immer den kürzeren.

Nach Verfluß einer unerträglichen Stunde waren wir handelseinig. Ich kaufte zwei doppelläufige Echos in gutem Zustand, ein drittes bekam ich drein, das, wie er sagte, unverkäuflich sei, weil es nur Deutsch spräche. »Es war einst vollkommen polyglott,« sagte er, »hat aber irgendwie den größten Teil seiner Sprachfertigkeit eingebüßt.«


Eine wahre Geschichte.

(Gerade so wiedererzählt wie ich sie gehört habe.)