(Ort der Handlung: das Atelier.)

»Heute um zwei Uhr sind die sechs Monate um. O Höllenqual! Mein Leben ist vernichtet! Ich wollte, ich wäre tot! Gestern nicht zu Nacht gegessen – heute kein Frühstück! Ich wage mich in kein Speisehaus hinein. Aber hungrig bin ich – o, still davon! – Mein Schuster plagt mich bis aufs Blut – mein Schneider liegt mir in den Ohren – mein Hauswirt mahnt mich zu zahlen. Wie elend bin ich! John habe ich seit jenem entsetzlichen Tage nicht wieder gesehen. Sie lächelt mir zärtlich zu, wenn wir uns auf einer der Hauptstraßen begegnen, aber auf den grausamen Wink ihres Vaters mit dem Kieselherzen muß sie gleich nach der andern Seite sehen. – Horch! Wer klopft an der Thür? Wer verfolgt mich schon wieder? Gewiß dieser boshafte Halunke, der Schuster – Herein!«


»Ach – Glück und Segen über Ew. Hoheit! Der Himmel beschütze Ew. Gnaden. Ich habe Dero neue Stiefel gebracht. – Bitte – von Bezahlung ist gar nicht die Rede – damit hat es keine Eile – nicht die allergeringste; ich werde stolz sein, wenn der gnädige Herr mich auch fernerhin mit seiner Kundschaft beehren will – ergebenster Diener – empfehle mich unterthänigst.«

»Er bringt die Stiefel selbst! Braucht keine Bezahlung! Empfiehlt sich mit einem Kratzfuß wie für eine Majestät. Wünscht meine fernere Kundschaft! Steht denn das Ende der Welt bevor? Was bei allen – Herein!«

»Verzeihung, Signore, aber ich bringe Ihren neuen Anzug zum –«

»Herein!!«

»Bitte tausendmal um Entschuldigung, wenn ich störe, gnädiger Herr. Ich habe die Reihe schöner Zimmer im unteren Stock für Sie hergerichtet. Dieses elende Loch paßt ja durchaus nicht für –«

»Herein!!!«

»Ich komme Ihnen zu melden, daß Ihr Kredit in unserem Bankhause, der leider seit einiger Zeit unterbrochen war, in durchaus befriedigender Weise aufs neue wieder eröffnet ist. Wir stehen mit Vergnügen zu Ihren Diensten, welchen Betrag Sie auch zu entnehmen wünschen –«