Tom kam sehr verdrießlich zu Hause an, und die ersten Worte, mit denen ihn seine Tante begrüßte, zeigten ihm, daß hier nicht viel Trost für seinen Kummer zu holen sein werde.

»Tom, ich möchte dir wahrhaftig das Fell über die Ohren ziehen.«

»Ei, Tante, was hab' ich denn gethan?«

»Meiner Treu! Fragt der Bursch' auch noch! Geh' ich da hin zu der Harpern, der alten Einfaltspinselin, will ihr von deinem Traum erzählen und ihr beweisen, daß Träume gar kein Unsinn sind, und seh' mir einer, lacht sie mir grad' ins Gesicht und sagt, sie hab's aus dem Joe herausgekriegt, daß du hier gewesen seist und alles selber gehört und gesehen habest an dem Abend. Ich denk' mich rührt der Schlag! Tom, was soll denn aus 'nem Jungen werden, der so was thun kann? Ich könnt' mir meine letzten paar grauen Haare ausreißen, wenn ich dran denk', daß du mich hast hingehen lassen zu der Harpern, um mich lächerlich zu machen, ohne auch nur ein Wort zu verlieren.«

Das zeigte Tom die Sache allerdings in einem anderen Lichte. Seine Pfiffigkeit vom Morgen war ihm wie ein guter Scherz erschienen, wie ein Geniestreich sogar. Jetzt kam ihm sein Verhalten erbärmlich und gemein vor. Er hing den Kopf, kein Wort der Entschuldigung wollte ihm einfallen. Endlich stammelte er:

»Tantchen, ich wollt', ich hätt's nicht gethan – ich hab' aber wirklich nicht so dran gedacht.«

»Ach, Kind, du denkst ja nie. Denkst nie an die andern, immer nur an dich und dein Vergnügen. Daran hast du wohl gedacht, den ganzen Weg von der Jackson-Insel hierher zu machen, nur um über uns und unsern Jammer zu lachen. Und daran hast du auch gedacht, deine alte Tante mit dem verlogenen Traum zum Narren zu machen, daran aber denkst du nicht, wie du uns Spott und Schande und Kummer ersparen kannst.«

»Tantchen, jetzt weiß ich, wie erbärmlich es von mir war, aber so hab' ich's nicht gemeint, weiß Gott, wahrhaftig nicht! Und dann bin ich auch nicht herüber geschwommen, um mich über euch lustig zu machen.«

»Warum sonst?«