So legte sie die Jacke weg und stand noch eine Minute sinnend davor. Zweimal streckte sie die Hand nach dem Kleidungsstück aus und zweimal zog sie dieselbe wieder zurück. Noch einmal wagte sie sich vor und sprach sich selber Mut zu mit dem Gedanken: Die Lüge war ja gut gemeint, von Herzen gut gemeint, es soll mich weiter nicht kümmern. Damit hatte sie die Hand in die Jackentasche versenkt. Einen Moment später las sie unter strömenden Thränen, was Tom auf jenes bewußte Rindenstück gekritzelt hatte und stammelte schluchzend:

»Jetzt könnt' ich dem Jungen verzeihen, und wenn er eine Million Sünden auf dem Gewissen hätte.«


Neunzehntes Kapitel.

In der Art und Weise, wie ihn Tante Polly küßte, lag etwas, das Tom wunderbar wohlthat. Seine Niedergeschlagenheit war wie weggeblasen und er fühlte sich urplötzlich wieder leichtherzig und froh. Er stürmte der Schule zu und hatte das Glück unterwegs auf Becky zu stoßen. Da er sich immer von seiner augenblicklichen Stimmung leiten ließ, so rannte er ohne einen Moment der Ueberlegung auf sie zu und rief treuherzig:

»Becky, ich war heute morgen ganz abscheulich gegen dich, ich will nie, nie wieder so sein, so lang ich lebe, nur sei wieder gut, willst du?«

Das Mädchen blieb stehen und sah ihm verächtlich in's Gesicht: