Anmerkung. Die oben angeführten sog. ›Aufsätze‹ sind ohne Veränderung einem Buche entnommen, das den Titel führt: »Prosa und Poesie von einer Dame des Westens.« Als genaue Studien nach dem bekannten ›Schulmädchen-Muster‹ sind sie infolgedessen weit glücklichere Beispiele, als bloße Nachbildungen hätten sein können.
Einundzwanzigstes Kapitel.
Tom fand, daß die ersehnten Ferien schon acht Tage nach dem Beginn sich in endloser, öder Weise vor ihm zu dehnen begannen. Er wußte kaum, was er mit sich anfangen sollte in dieser langen, langen Zeit. Becky Thatcher war mit ihren Eltern auf ihr Landgut gereist, um die Wochen der Freiheit dort zu verbringen, und hatte den letzten Lichtstrahl in dieser endlosen Nacht der Langeweile mit sich genommen. Ein paar Kindergesellschaften dienten nur dazu, die klaffende Lücke von Beckys Abwesenheit um so fühlbarer zu machen. Eine mitleidige Masernepidemie erbarmte sich der gelangweilten Jugend, bot aber in ihrem milden Charakter nicht einmal die Aussicht, daß man zur Abwechslung hie und da um das gefährdete Leben irgend eines Kameraden zittern konnte. Auch sie verlief langweilig und eintönig wie alles andre.
Endlich kam Leben in die schläfrige Atmosphäre. Der Mordprozeß kam vor Gericht und wurde sofort zum Thema jeglichen Stadtgespräches. Er benahm Tom alle Ruhe. Jede neue Erwähnung der Mordthat sandte ihm einen Schauder zum Herzen. Sein böses Gewissen und seine Angst ließen ihn in jeder darauf bezüglichen Bemerkung einen ›Fühler‹ wittern, den man ausgestreckt, um ihn zu sondieren. Freilich erschien es ihm bei näherer Ueberlegung gar nicht möglich, daß man in ihm einen Mitwisser der That vermuten könne, gleichwohl war ihm nicht wohl bei der Sache; fortwährend überlief es ihn, bald heiß, bald kalt. An einsamem Ort nahm er Huck beiseite, um sich mit diesem zu besprechen. Welche Erleichterung mußte es gewähren, das Siegel auf den Lippen nur für eine kleine Weile zu lösen, die Hälfte der Bürde auf die Schultern eines Mitfühlenden, eines Leidensgefährten zu wälzen. Außerdem lag Tom daran, sich Gewißheit über Hucks unverbrüchliches Schweigen zu verschaffen.
»Huck, hast du jemals irgend einem Menschen davon erzählt?«
»Von was?«