»Heraus damit, mein Junge, nur nicht ängstlich. Die Wahrheit zu reden ist immer ehrenhaft. Also, was hattest du bei dir?«

Unbewußt war der Frager von dem förmlichen Ton eines öffentlichen Inquirenten in den aufmunternden, väterlichen verfallen, der unsrem Helden gegenüber weit mehr am Platze war. Dadurch ermutigt stammelte dieser zögernd:

»Nur – nur – nur 'ne tote Katze!«

Ein leises Gekicher ließ sich vernehmen, dem sofort Einhalt geboten wurde.

»Wir werden uns späterhin erlauben, das betreffende Gerippe den Herrn Geschworenen als Beweis vorzulegen. Und jetzt, mein Sohn, erzähl' du mir alles, was du gesehen hast, erzähl's ganz schön auf deine Art, verbirg uns nichts, vergiß nichts und vor allem fürcht' dich nicht.«

Tom begann – stotternd, zögernd im Anfang, da er sich aber mit seinem Thema erwärmte, flossen ihm die Worte leichter und leichter. Nach ein paar Momenten erstarb jedes andere Geräusch im ganzen, weiten Saale, nur der Laut der klaren, hellen Knabenstimme war hörbar. Jedes Auge war auf den Jungen gerichtet, offnen Mundes, mit verhaltenem Atem folgte man seinen Worten, Richter, Geschworene, Publikum schienen der Welt entrückt, so gefesselt waren sie von der drastischen Schilderung der grausigen That. Die atemlose Erregung der Versammlung hatte ihren Höhepunkt erreicht, als der Junge sagte: »Und wie der Doktor mit dem Brett auf den Muff Potter einhieb und der umfiel, da sprang der Indianer-Joe mit dem Messer auf und –«

Krach! Rasch wie der Blitz war der Indianer-Joe mit einem Sprung emporgeschnellt, dem Fenster zugestürzt, die ihm im Weg Stehenden zur Seite schleudernd, und ehe man zur Besinnung kam, hatte er sich hindurchgeschwungen und – war verschwunden!