Es naht einmal eine Zeit in dem Leben eines jeden Jungen von echtem Schrot und Korn, wo er ein rasendes Verlangen empfindet, nach verborgenen Schätzen zu graben. Dies Verlangen nun überfiel eines Tages unsern Tom mit Allgewalt. Er wollte sich gleich mit Joe Harper in Verbindung setzen; dieser war jedoch nicht zu finden. Dann schaute er sich nach Ben Rogers um, und der war fischen gegangen. Zufällig stieß er auf Huck Finn, den ›Rot-Händigen‹, und in Ermangelung der andern war ihm dieser auch recht. Tom zog ihn beiseite an einen geheimen Ort und teilte ihm im Vertrauen den Plan mit. Huck war einverstanden. Huck war immer bereit, die Hand zu irgend einem Unternehmen zu bieten, welches Vergnügen versprach und kein Kapital erforderte, denn er hatte einen Ueberfluß von der Zeit, die kein Geld ist.
»Wo sollen wir graben?« fragte Huck.
»Na, so 'n bißchen überall.«
»Was? giebt's denn überall 'nen Schatz?«
»Wie du nur so fragen magst! Die sind immer nur an ganz besonderen Plätzen. Mal auf 'ner Insel, dann in 'ner alten, verfaulten Kiste, die unter einem alten, vermoderten Baumstamm verscharrt ist, grad' da, wo der Schatten um Mitternacht hinfällt; gewöhnlich aber steckt der Schatz unter'm Boden eines Hauses, in dem's spukt.«
»Wer steckt 'n denn da hin?«
»Wer? Ei, Räuber natürlich, wer denn sonst? Etwa 'n Vikar, der die Sonntagsschule hält, was?«
»Was weiß ich? Das weiß ich aber gewiß, ich würd' den Schatz nicht irgendwo vergraben, wenn er mein wär', sondern nehmen und ausgeben und lustig damit leben.«