Der arme Huck war zu befangen, um auch nur lächeln zu können, der alte Mann aber lachte, lachte aus vollem Halse, laut und herzlich, so daß alles an ihm vom Kopf bis zu den Füßen wackelte, und als er wieder zu Atem kam, meinte er, solch' ein Lachen sei wie bares Geld in der Tasche, denn es erspare einem lange Doktorsrechnungen. Dann fügte er bei:
»Armer, kleiner Kerl, siehst ganz blaß und angegriffen aus, 's scheint dir gar nicht wohl zu sein. Kein Wunder, daß du ein wenig faselig geworden und aus dem Gleichgewicht geraten bist. Wird schon wieder besser werden. Ruhe und Schlaf sollen dich schon auskurieren, denk' ich.«
Huck ärgerte sich schwer bei dem Gedanken, solch verräterische Erregung gezeigt zu haben, denn es waren ihm schon damals, als er die Schurken bei dem Zaun der Witwe belauschte, Zweifel gekommen, ob das mitgebrachte Paket der Schatz sei. Doch war dies immerhin nur Vermutung gewesen, die jetzt erst zur Gewißheit wurde. Die Kiste war also noch an ihrem alten Platz, und nun war's eine Kleinigkeit für Tom, wenn die beiden Halunken unter tags eingefangen wurden, am Abend nach jener bewußten Nummer zwei zu gehen und sich des Schatzes zu versichern. Alles schien herrlich im Zuge!
Gerade als das Frühstück beendet war, klopfte es an die Thüre. Huck versteckte sich geschwind, denn es lag ihm gar nichts daran, mit dem letzten Ereignis in Zusammenhang gebracht zu werden. Der Walliser öffnete und ließ mehrere Herren und Damen herein, unter denen sich auch die Witwe Douglas befand. Dabei bemerkte er, daß noch andre Einwohner des Ortes truppweise den Hügel erstiegen, um sich den Schauplatz der nächtlichen Ereignisse zu besehen. Die Kunde von dem Vorgefallenen hatte sich also schon verbreitet.
Nun mußte der Alte den Besuchern die Geschichte der Nacht bis in's kleinste berichten. Die Dankbarkeit der Witwe Douglas für ihre Rettung machte sich in warmen Worten Luft.
»Verlieren Sie kein Wort weiter, Madam,« wehrte der Alte ab, »'s giebt einen, dem Sie zu viel größerem Danke verpflichtet sind, als mir und meinen Jungens, der will aber seinen Namen nicht genannt haben. Ohne den, sag' ich Ihnen, wären wir niemals dazu gekommen, die Halunken zu verjagen.«
Dies erregte natürlich die allgemeine Neugierde in so hohem Grade, daß man darüber beinahe die Hauptsache vergaß. Der Walliser aber ließ sich durch die brennende Neugierde seiner Zuhörer, die sich durch deren Vermittlung nach und nach dem ganzen Städtchen mitteilte, nicht irre machen, sondern behielt sein Geheimnis wohlverwahrt bei sich. Als die Leute alles übrige in Erfahrung gebracht hatten, sagte die Witwe:
»Gestern abend las ich noch im Bett und schlief ein, so fest, daß ich von dem ganzen Spektakel gar nichts hörte. Warum haben Sie mich denn nicht aufgeweckt?«
»Na, das hielten wir für unnötig. Die Kerls kamen schwerlich wieder, das war so gut wie gewiß. Weshalb also Lärm schlagen und Sie unnötigerweise zu Tod erschrecken? Außerdem hab' ich meine drei Nigger für den Rest der Nacht als Wächter um Ihr Haus gestellt, Madam, die sind eben zurückgekommen.«
Immermehr Leute kamen, und die Geschichte mußte nochmals erzählt und wieder erzählt werden, und immer so weiter, einige Stunden lang.